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Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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  • 80 episodes
  • daily
  • Avg 70 hr 34 min
  • German
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  • Today · 73 hr 20 min

    Suche nach der eigenen Identität / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Eigentlich war es nur ein sehr gut besuchter Abend zu Ehren des heiligen Franziskus zu dessen 800. Todestag. Eigentlich begann es mit sehr leiser sphärischer Musik mittels Klangschalen. Eigentlich wurde dann ein Kapuziner vorgestellt, der Theologe und an der Universität Professor ist. Und eigentlich hat er nur einen hochinteressanten Vortrag darüber gehalten, wie man das Leben des heiligen Franziskus, sein Suchen und Fragen, seine Ablösung vom Vater, seine Fragen an die Kirche, seine Probleme mit der eigenen Gemeinschaft und auch mit seinem Gott anhand wissenschaftlich psychologischer Erkenntnisse auch verstehen und analysieren kann. Eigentlich war es sehr sachlich und mit Originalzitaten und Bildern aus dem jahrhundertealten Zyklus von Giotto in Assisi gespickt. Eigentlich. Ein paar Plätze neben mir sehe ich dann eine Frau leise weinen und dabei versuchen es zu verbergen und mit dem Taschentuch Augen und Nase und den Tränenfluss in den Griff zu bekommen. Beim Imbiss nach dem Vortrag sind wir ins Gespräch gekommen und sie hat erzählt, dass es sie so gepackt hat, weil sie das Gefühl hatte, dass genau sie gemeint ist. Genau diese vielfältigen Wege des Franziskus, um zu seiner ureigenen Identität zu finden, hat sie genau so in ihrem Leben erfahren und nie vorher ist ihr so deutlich geworden, dass es Wege und Kurven und Aufs und Abs sind, die jeden Menschen betreffen, der sich ernsthaft um sein authentisches und echtes Leben und Glauben müht. Und auch, dass es nie aufhört, sondern bis ins Alter immer weitergeht mit der Suche nach der eigenen Identität im Leben und im Glauben. Mich hat das sehr berührt, weil es genau das beschreibt, was sicher viele von uns schon erlebt haben. Da höre ich vielleicht im sonst etwas langweiligen Sonntagsgottesdienst eine Stelle aus dem Evangelium, von der ich das Gefühl habe, sie noch nie vorher gehört zu haben. Mein ganzer Mensch, nicht nur mein Verstand, sondern mein Herz und meine Seele spüren plötzlich etwas, was mich betrifft und manchmal mit solcher Wucht, dass mir die Tränen kommen. Manchmal ist es eine Liedzeile in einem Song aus meiner üblichen Playlist, eine Notiz in der täglichen Nachrichtenflut, die Frage eines Menschen, der mit mir im Supermarkt etwas sucht. Und genau dann, wenn wir berührt werden, wenn wir spüren, dass es nicht nur eine belanglose Alltäglichkeit ist, dann genau berührt uns Gott zutiefst.

  • Yesterday · 85 hr 33 min

    Zeichen gegen die Angst / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    In der vergangenen Woche durfte ich feiern – eine Goldene Hochzeit. Nicht meine eigene, sondern mit einem befreundeten Ehepaar. Sie haben 50 Jahre Ehejubiläum gefeiert und Goldene Hochzeit nennen wir das. Gold ist dabei mehr als Schmuck, denn Gold steht in unserem Denken für Beständigkeit. Beständigkeit ist dabei heute kein Wert, an den man zuerst denkt. Zu vieles ist im Wandel: Gesellschaft, Arbeit, Lebensentwürfe. Umbrüche gehören zu unserem Alltag. Wie alle Menschen aller Zeiten leben wir in einer Zeit, in der wir die Zukunft nicht kennen. Das macht manche leider mutlos, hoffnungslos, manchmal sogar – und das ist besonders traurig – lebensmüde. Gerade deshalb braucht es auch Beständigkeit. Das war vor 50 Jahren nicht anders. Auch damals gab es Umbrüche, politische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und zugleich Aufbrüche, neue Chancen und neue Wege. Und mitten in diese Ungewissheit damals – und zum Glück tun es auch heute noch junge Menschen – haben zwei Menschen gesagt: Wir trauen uns, wir bleiben, wir sind beständig füreinander da. Ein Eheversprechen ist ein Zeichen gegen die Angst. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens. Großer, fast romantischer Enthusiasmus spricht aus diesen Worten. Und ja, ein gemeinsamer Weg braucht diesen Enthusiasmus, aber er braucht vor allem die Beständigkeit, die aus dem Enthusiasmus erwächst. Liebe verändert sich. Liebe verändert dich. Aber sie bringt eben die Veränderung hervor, die wir brauchen. In 50 Jahren wird aus dem Anfang ein Fundament. Aus der Nähe wird Heimat. Aus zwei Leben vielleicht ein gemeinsames Haus mit Enkeln, Kindern, Erinnerungen, Reisen, Arbeit, Sorgen und vor allem und hoffentlich vielen Glücksmomenten. Einen Menschen zu finden, der einen liebt, ist ein Geschenk. Aus dieser Liebe ein Leben zu bauen, das ist Arbeit, gute, schwere, aber auch lohnende Arbeit. Wie beim Gold. Es entsteht nicht nebenbei. Es braucht Geduld, Ausdauer und Vertrauen, Gold zu schürfen, zu veredeln und zu gestalten. Heute stehen Menschen nach 50 Jahren Ehen da und sagen Danke. Danke für die gemeinsamen Wege. Danke für überstandene Belastungen. Danke für Neuanfänge. Und vor allem auch eins: Danke für Gottes Segen. Dankbarkeit hält Gottes Liebe lebendig. Sie nährt sie. Und so liegen diese alten Worte noch einmal heute auf der Goldwaage: Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens. Diese Worte sind mehr wert als jeder Ring, weil sie gehalten wurden und weil sie beständig geblieben sind, genauso wie das Gold, aus dem sie geschmiedet sind. Und so danken wir mit den Menschen, die beständig beieinanderbleiben können, weil sie versuchen, Gottes Segen für ihr Leben zu übersetzen und in die Beständigkeit zu führen. Und wir bitten um all den Segen, den die Menschen brauchen, die nicht gerade unter diesem Segen stehen.

  • Saturday · 85 hr 50 min

    Einsamkeit ist nicht nur Leere / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Gedanken schweifen lassen, aber sie auch sortieren. So ging es mir vor ein paar Jahren, als ich das berühmte Bild "Der Mönch am Meer" von Caspar David Friedrich das erste Mal nicht in einem Buch, sondern im Original erblicken durfte. Das Bild zeigt eine kleine, verlorene Figur am Ufer eines dunklen Meeres. Die Weite des Himmels, das scheinbar unendliche Licht, lassen den Mönch klein und einsam erscheinen. Ein Bild von Einsamkeit und irgendwie auch von einer tiefen spirituellen Suche. Einsamkeit ist eine Erfahrung, die Menschen heute wie damals bewegt. Einsamkeit kann krank machen. Heute ist der Welttag der psychischen Gesundheit und Einsamkeit ist tatsächlich eines der großen Probleme, das viele Menschen in andere Probleme, in Krankheiten hineinführt. Einsamkeit ist eine Erfahrung, die wir Menschen haben. Alleinsein, alleinbleiben, das gehört zu den Urerfahrungen unseres Menschseins. Ob Klimaangst, die Macht der Künstlichen Intelligenz, Krieg, Krankheit, gesellschaftliche Veränderungen, die Welt kann uns auch einsam machen. Allein in Deutschland geben rund 14 Millionen Menschen an, sich einsam zu fühlen. Es gibt Experten, die sprechen schon von einer Epidemie der Einsamkeit. Aber noch einmal ein Blick auf Caspar David Friedrich und seinen Mönch am Meer. Das Bild kann auch Hoffnung schenken. Die Einsamkeit ist nicht nur Leere. Sie kann ein Raum sein, in dem wir uns selbst und Gott begegnen. Wie ein Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, ist das Leben nur dann lebendig, wenn wir es teilen und hergeben. Wer an seinem Leben hängt, verliert es, so sagt das Evangelium. Wirkliches Leben lässt sich nur erfahren, wenn wir es nicht festhalten, sondern wenn wir es verschenken, anderen dienen, lieben und verbinden. Einsamkeit wird weniger zur Last, wenn wir mutig werden, von uns selbst herzugeben. Freundschaft, Nähe und Anteilnahme, all das entspringt dem Mut zu teilen. Jesus selbst zeigt uns diesen Weg. Er teilt das Leben mit Gott, verbindet sich und wir dürfen daran teilhaben. Kommunikation mit Gott macht auch uns fähig, mit anderen, sogar mit uns selbst in Beziehung zu treten. In der Einsamkeit begegnen wir uns selbst und gerade darin kann der Weg zu Gott beginnen, in der Reflexion, im Alleinsein, im Nachdenken über das Leben und seine Geheimnisse. Dort können wir Orientierung, Halt und vielleicht auch eine tiefere Gemeinschaft finden. Selbst die Einsamkeit des Todes birgt die vollkommene Gemeinschaft mit Gott. Der Mensch am Meer erinnert uns daran. Alleinsein kann schmerzhaft sein, aber es öffnet auch Räume für das Leben, für Begegnung und für Gottes Nähe. Im Alleinsein, in der Einsamkeit können wir das Leben entdecken. Und das Leben, das bleibt, ist das Leben, das wir teilen.

  • Friday · 61 hr 6 min

    Als Kinder Gottes geboren / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Für heute früh habe ich für unsere Gebetszeit einen Text ausgewählt, der mir so gut gefällt, dass ich ihn auch für Dich hier im Morgengebet nehmen möchte. Er ist von Marianne Williamson aus ihrem Buch "A return to love" Darin heißt es: "Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind.Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein.Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht.Wir fragen uns: Wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen?Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen?Du bist ein Kind Gottes.Sich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt.Es ist nichts erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen.Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.ER ist nicht nur in einigen von uns, ER ist in jedem Einzelnen.Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen,geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.Wenn wir von unserer Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere." Soweit Marianne Williamson – Wow, was für eine Ermutigung: Wir sind als Kinder Gottes geboren worden, damit wir sein Licht in die Welt bringen. Wir brauchen uns für unsere Talente und Fähigkeiten nicht zu entschuldigen, wir haben sie ja von Gott. Unsere Aufgabe ist es sie einzusetzen für die Menschen in allem, was wir heute zu tun und zu tragen und zu lassen haben. "Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun.Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren."

  • Thursday · 65 hr 16 min

    Weil das Evangelium nicht altert / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Kinder und junge Jugendliche haben ja oft die geniale Fähigkeit Fragen zu stellen oder Bemerkungen zu machen, die vielleicht zum Lachen reizen oder sich so in den Gedanken festsetzen, dass man es so schnell nicht vergisst. So ist es mir passiert bei den Klostertagen der sechsten Klassen unserer St. Franziskusschule im Januar. Nach meinen Erzählungen aus dem Leben des heiligen Franziskus hat mich dann unterwegs im Mutterhaus ein pfiffiger Schüler angesprochen und gefragt: Wieso hast Du den Franziskus eigentlich immer noch so gern? Der ist doch schon solange tot? Erst habe ich geschmunzelt und dann habe ich ihm erzählt, dass mich viele Legenden und Geschichten aus seinem Leben immer wieder sehr ansprechen und immer neu begeistern und dass solche Sachen einfach nicht alt werden, auch wenn dieser Mensch schon so lange tot ist. Und wir kamen auf das Vaterunser und dass das Gebet von Jesus ist, der uns auch heute immer noch so im Gedächtnis ist, obwohl das noch viel älter ist. Weil das Evangelium nicht altert. Und weil wir auch heute immer neu schauen, was es für uns bedeutet und wie wir heute diese Botschaften von Jesus lesen, verstehen und in Worte und Taten übersetzen können. Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium erzählt Jesus, dass doch jeder vernünftige Mensch seinem Freund aus der Patsche hilft, wenn er darum gebeten wird. Und er geht sogar soweit, dass er sagt: Sogar ihr, die ihr oft böse seid, gebt euren Kindern nur Gutes. Also wird euer himmlischer Vater, der alle seine Kinder liebt, euch Gutes geben, wenn ihr darum bittet. Wenn wir denken würden, dass diese Geschichte doch schon 2.000 Jahre alt ist und nur damals gegolten hat, würden wir heute nicht mehr an Gott glauben und ihn um Hilfe bitten, in vielen Dingen, die uns beschäftigen und Sorgen machen. Weil das Evangelium nicht altert. Vielleicht finde ich dieses Wort deshalb so spannend, weil es über unserem heutigen dritten Abend zu Ehren des heiligen Franziskus im Mutterhaus steht. Der Kapuziner Professor Dr. Bruder Stefan Walser von der Universität Bonn wird alte und neue Erkenntnisse aus der Franziskusforschung mit dem eigentlichen Ideal des heiligen Franziskus verbinden, nämlich das Evangelium zu verkünden mit Worten und noch mehr mit dem alltäglichen Tun und Leben. Umrahmt wird der Abend mit außergewöhnlichen Klängen mit Klangschalen von Frau Bonzel-Friedrich, einem Imbiss und Austausch zu den Themen des Vortrags. Ich bin gespannt und wer von Euch Zeit und Lust hat, ist herzlich eingeladen.

  • Wednesday · 61 hr 56 min

    An der Hand Mariens das Leben Jesu betrachten / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Heute feiern wir mit der Kirche das Rosenkranzfest. Es ist ein sogenanntes Ideenfest und wurde von Papst Pius V. zum Ende des 16. Jahrhunderts gestiftet, der damit seinen Dank für den Sieg der christlichen Flotte in der Seeschlacht von Lepanto 1571 ausdrücken wollte. Ein Fest zum Dank für einen Sieg klingt in unseren Ohren heute komisch, war aber früher nicht so unüblich. Als Kind habe ich immer mit meiner Tante den Rosenkranz gebetet und es war eine wunderbare Einschlafhilfe am Abend. Vor einigen Jahren haben wir mal bei einem Wochenende für junge Mädchen einen sehr kreativen Rosenkranz gebetet, der ein richtiger Muntermacher war. Wir hatten im großen Saal mit 55 Lichterbechern einen leuchtenden Rosenkranz ausgelegt und haben dann die einzelnen Gesetze mit Körperübungen verbunden, die aus dem Sport als Zirkeltraining bekannt sind. Die Idee dahinter fanden die Mädels sehr einleuchtend: Glaube und Körper gehören zusammen. Ich kann nicht ohne meinen Körper glauben und gerade durch ihn bekommt mein Glaube Fleisch und Blut, Hand und Fuß. Der Rosenkranz ist eigentlich eine sehr meditative Gebetsform, bei dem ich mich nicht unbedingt großartig bewegen muss. Aber beim Zirkeltraining werden die verschiedenen Muskelgruppen trainiert, damit man fitter und munterer wird. Hier ist nun beides miteinander verbunden: Die innere Einkehr und Elemente des Rosenkranzes sowie körperbetonte Elemente aus dem Training. Beides zusammen kann unseren Körper mit unserem Glauben verbinden. Ich selber bete den Rosenkranz am liebsten beim Spazierengehen. Beim Gehen verbinden sich die Gedanken und Gebete mit dem Rhythmus des Gehens und es entsteht ein Gespür vom Unterwegssein mit Gott. An der Hand Mariens das Leben Jesu betrachten ist eine sehr schöne Idee dieser Art von Gebet. Und manchmal, wenn ich betend hier um den Obersee laufe, sehr ich ältere muslimische Herren, die ihre Gebetsschnüre in den Händen haben und die 99 Namen Gottes beten und wir fühlen uns verbunden.

  • Tuesday · 74 hr 10 min

    Mein Dankpsalm / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Am vergangenen Wochenende gab es unendlich viele Feste und Feiern in vielerlei Zusammenhängen. Da gab es Erntedankfeste, Feste zum Tag der Deutschen Einheit, das Kaiser-Otto-Fest in Magdeburg, die Transitusfeiern zum 800. Jahrestag des Todes des heiligen Franziskus, der neue Feiertag des heiligen Franziskus für ganz Italien und noch sehr viel mehr. Über die meisten Feste und Feiern kann man eine einzige Überschrift setzen: Dankbarkeit. Dankbarkeit für eine gute Ernte trotz aller größer werdenden Probleme mit dem Klimawandel, Dankbarkeit für das vereinte Deutschland trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten, Dankbarkeit für das kulturelle und künstlerische Erbe einer viele jahrhundertealten Stadt, Dankbarkeit für einen Heiligen, der vor 800 Jahren gestorben ist und heute immer noch und immer neu verehrt und als Vorbild genommen wird für den Schutz und die Erhaltung der Schöpfung und das ungebrochene Lob an den Schöpfer trotz aller Schwierigkeiten mit der Verkündigung dieser Botschaft. Und da es eine allgemeine von und für alle geltende Dankbarkeit eigentlich nicht gibt, auch wenn man sie in Reden, Ansprachen und Predigten betont, kommt automatisch die Frage auf, wofür jede und jeder Einzelne eigentlich dankbar ist. Der Psalm 100 aus dem Alten Testament, der vor weit mehr als 2.000 Jahren entstanden ist, ist ein sehr kurzer und sehr schöner Dankpsalm, den jeder Einzelne, aber auch eine große Gemeinde beten kann und lautet: "Jauchzt dem HERRN, alle Welt! Dient dem HERRN mit Freude; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennt, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Geht zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; dankt ihm, lobt seinen Namen! Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für." Hier mündet der Dank jedes Einzelnen in das Lob Gottes Aller, die an Gott glauben und darauf vertrauen, dass seine Güte und seine Gaben für alle in allen Zeiten gültig sind. Und es bleibt die Frage an Dich: Wofür bist Du im Moment besonders dankbar? Mir hilft es, mal aufzuschreiben, wofür ich konkret dankbar bin und dann zu spüren, wie viel das ist und wie daraus ein eigenen Dankpsalm werden kann mit dem Titel: Mein Dankpsalm Oktober 2026

  • October 5 · 72 hr 13 min

    Hulda, eine ganz besondere Prophetin / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Hast Du schon jemals von der Prophetin Hulda gehört? Ich kannte den Namen, aber nicht den Hintergrund. Letzte Woche habe ich einen sehr inspirierenden Mutmacher-Gottesdienst mitgefeiert, in dessen Mittelpunkt diese Frau stand. Hulda ist eine Prophetin, die zur Zeit des judäischen Königs Josia in Jerusalem lebt. Ihre geistliche Autorität scheint allgemein anerkannt zu sein. Bei Renovierungsarbeiten am Tempel wird eine alte Schriftrolle mit dem Gesetz Gottes gefunden. Als König Josia ihren Inhalt hört, schickt er eine Gruppe hochrangiger Männer zu Hulda, damit sie Gott für ihn befragt. Hulda richtet den Gesandten eine klare und unbequeme Botschaft aus. Gleichzeitig spricht sie König Josia zu, dass Gott seine aufrichtige Reue gesehen hat. Die hochrangigen Männer werden nicht zu den etablierten Propheten jener Zeit geschickt, sondern zu ihr. Erstaunlich. In diesem Gottesdienst haben wir alle zusammen ein Gebet gesprochen, dass ich heute gern mit Dir beten möchte. „Wir glauben an Gott, der Menschen anspricht und ihnen zutraut zu antworten.Wir glauben an Jesus Christus, der Frauen und Männer gerufen hat, ihm zu folgen und seine Botschaft weiterzutragen.Wir glauben an den Auferstandenen, der Maria von Magdala gesandt hat, die Botschaft vom Leben zu verkünden.Wir glauben an Gottes Geistkraft, die ausgegossen ist über Töchter und Söhne, über Junge und Alte, und die in jedem Menschen wirken kann.Wir glauben an eine Kirche, die zuhört und Menschen zu Wort kommen lässt.An eine Kirche, in der unterschiedliche Charismen entdeckt werden und wachsen können.An eine Kirche, die Menschen ermutigt, ihrer Berufung zu vertrauen.An eine Kirche, in der wir einander erzählen, was wir von Gott erhoffen und erfahren, was uns trägt und was uns zweifeln lässt, wonach wir fragen und suchen und woran wir glauben.Wir glauben, dass Gottes Wort lebendig ist – heute und morgen.Dass es Menschen berührt, ermutigt und trägt.Und wir glauben, dass wir auch etwas davon zu erzählen haben.Darum wollen wir nicht schweigen, sondern füreinander und miteinander von unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Suche sprechen. Amen“

  • October 4 · 63 hr 36 min

    Jede und jeder ist Abbild Gottes / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Es ist so einfach, Menschen zu verurteilen. Ein abwertender Blick. Reicht schon. Ein böser Kommentar. Sitzt schon. Ein scheinbares Kompliment: „Du hast es ja versucht.“ – „Das ist aber originell.“ – „Das passt eben zu dir.“ Verletzt trotzdem. Es ist so einfach, Menschen auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Und wir tun das ja ständig. Vielleicht müssen wir das sogar ein Stück weit. Menschen einzuordnen, gibt uns Orientierung. Es hilft uns, Situationen einzuschätzen und zu handeln. Und klar mache ich das auch. Ich sondiere die Lage. Ich sortiere die Menschen um mich herum. Und meistens tue ich das erst einmal nach dem, was ich sehe und erlebe. Nach Äußerlichkeiten eben. Denn das Innere der allermeisten Menschen werde ich niemals wirklich kennenlernen. Aber ich versuche manchmal, umzusortieren. Nachzujustieren. Und dabei gibt es eine Kategorie, die mir hilft: Abbildsein. Jeder Mensch – ja, wirklich jeder – ist Abbild Gottes. Kein Mensch ist Gott selbst. Egal, wie großartig er sich gibt, was er sagt oder wie überzeugend er vielleicht auftritt. Aber jeder Mensch ist Geschöpf Gottes. Und jeder Mensch trägt etwas in sich, das von Gott erzählt. Etwas, das Gottes Wesen spiegeln kann. Und ja, ein Spiegel zeigt nur ein spiegelverkehrtes Bild. Vielleicht manchmal verzerrt, vielleicht sehe ich auch nur einen winzigen Ausschnitt. Aber genau deshalb hilft mir dieses Bild. Wenn ich einen Menschen längst einsortiert habe. Wenn mein Urteil eigentlich schon feststeht. Wenn ich glaube zu wissen: So ist der eben. Dann kann ich noch einmal nachjustieren: Abbild Gottes. Das macht nicht plötzlich alles gut, was ein Mensch tut. Es bedeutet auch nicht, dass ich jeden mögen muss. Aber es rückt mein Urteil ein kleines Stück zurecht. Denn am Ende bleibt mein Blick auf einen Menschen immer ziemlich sträflich an dem hängen, was ich von außen sehen kann. Das ganze Innere aber, das wirkliche Innere eines Menschen – vielleicht gerade das, was besonders Abbild Gottes ist – kenne ich nicht. Das kennt nur Gott in Gänze.

  • October 3 · 63 hr 53 min

    Was fangen wir mit der Wut an? / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Ich kann es einfach nicht lassen. Kennst du das? Du weißt genau, dass dir etwas nicht guttut – und machst es trotzdem. Ich lese mir fast immer die Kommentare zu den Morgenimpulsen durch. Und ja, da steht auch Unschönes. Von Ablehnung bis hin zu richtigen Beleidigungen. Und ja, das trifft mich. Und dann ärgere ich mich manchmal fast noch mehr darüber, dass es mich überhaupt trifft. Denn eigentlich möchte ich doch einfach Persönliches teilen. Über meinen Glauben sprechen. Über Zweifel. Über das, was mir selbst manchmal schwerfällt. Weil ich glaube, dass andere Menschen genau das auch kennen. Ich möchte Glauben nicht weit weg formulieren, sondern mitten in unserem Alltag suchen. Dort, wo wir gerade stehen. Fragend. Suchend. Nicht perfekt. Und trotzdem merke ich: Kritik macht etwas mit mir. Sie verletzt mich. Und manchmal mach sie mich auch wütend. Und lange dachte ich, das dürfte ich vielleicht gar nicht so fühlen. Gerade als Christin. Man sollte doch verständnisvoll sein, ruhig bleiben, sich nicht provozieren lassen. Aber ich glaube inzwischen: Wut ist erstmal nichts Schlechtes. Wut zeigt oft, dass etwas wichtig ist. Dass eine Grenze berührt wurde. Dass uns etwas nicht egal ist. Die Frage ist nur, was wir mit dieser Wut anfangen. Ob wir zurück verletzen. Oder ob wir versuchen, mit dieser Energie trotzdem etwas Gutes zu tun. Und dann versuche ich genauer hinzuschauen. Denn neben den verletzenden Kommentaren gibt es eben auch die anderen. Menschen, die Mut machen. Menschen, die ehrlich zuhören. Menschen, die schreiben, dass sie sich verstanden fühlen. Und dann gibt es vielleicht auch dich. Du kommentierst vielleicht gar nicht. Du liest oder hörst einfach nur zu. Vielleicht, weil du froh bist, dass jemand auch über Zweifel spricht. Über Alltag. Über Glauben, der manchmal suchend und tastend bleibt. Und vielleicht brauchen wir genau dafür manchmal Mut in all der Wut. Nicht, um perfekt zu glauben. Sondern um ehrlich zu bleiben. Trotz der Angst, missverstanden zu werden. Trotz der Sorge, nicht zu genügen. Und vielleicht ist Gott genau dort besonders nah. Nicht in unserer Unverletzlichkeit. Sondern mitten in allem, was uns bewegt.

  • October 2 · 69 hr 43 min

    Der Tod als Schwester / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Heute ist zwar erst der zweite Oktober, aber ich möchte mich gern mit Dir an ein anderes Datum erinnern. Am 3. Oktober 1226, also morgen auf den Tag genau vor 800 Jahren, stirbt Franziskus von Assisi unterhalb der Stadt in der kleinen Kirche Portiuncula im Kreis seiner engsten Brüder.So wie er radikal anders gelebt hat, so war auch sein Sterben radikal anders. Er bleibt nicht in der warmen behüteten Stube im weichen Bett des Bischofshauses oben in der Stadt. Er feiert das Sterben mit seinen Ordensbrüdern wie eine Liturgie, in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Aposteln. Sie singen zusammen, sie teilen das Brot und lesen aus der Heiligen Schrift den Abschnitt des Abends vor Jesu Leiden. Und er bittet seine Brüder um Verzeihung und er erteilt ihnen seinen Segen für die dortigen Brüder und für alle, die ihnen nachfolgen werden, also bis heute. Dann gibt es eine Szene, die ihn so wunderbar nahbar sein lässt. Er schickt zwei Brüder los, um Jakoba zu holen, die Freundin aus Rom, die ihn so gut verstanden hat und lässt sie bitten, ihm seine Lieblingssüßigkeit zu bringen. Aber sie ist schon an der Tür und bringt ihm diese letzte kleine Freude. Und als er spürt, dass es zu Ende geht, lässt er sich nackt auf den Boden legen, um so nackt, wie er auf die Welt gekommen ist, auch aus ihr hinauszugehen. Und dann singen sie für ihn und mit ihm seinen Sonnengesang. Es ist der Lobgesang auf den Schöpfergott, der uns alles geschenkt hat und auch durch Krankheit, Leid und Tod verherrlich werden kann. Und eine sehr freundliche Legende erzählt, dass die kleine Glocke der uralten Kirche Santo Stefano genau in dem Augenblick zu läuten beginnt, als Franziskus seine unsterbliche Seele zurücklegt in die Hände seines geliebten Schöpfers. Diesen Übergang, diesen Transitus des Franziskus vom Leben über den Tod zum neuen Leben, feiern seither unendlich viele Menschen Jahr für Jahr in Erinnerung an einen kleinen Bruder, der den Tod als Schwester besungen hat, die ihn zu Gott bringen wird.Vielen von uns ist der Gedanke an den Tod eher Angst einflößend und wir verdrängen den Gedanken. Die Gewissheit des Franziskus, dass der Tod unsere Schwester ist, die uns zu Gott bringen wird, ist Dir da vielleicht eine Hilfe und ein Trost. Und wenn Du magst, komm morgen Abend, am 3.10. um 18.00 Uhr zum „Transitus“ in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt beten werden.

  • October 1 · 73 hr 3 min

    In Liebe das tun, was heute dran ist / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Die Kurzlesung zu den Laudes heute früh ist aus dem Hohenlied der Liebe aus dem Alten Testament. Und da steht: "Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn." Hm, das klingt ja schön und gut. Aber was heißt das denn heute, frage ich mich. Und dann lande ich bei einer sehr jungen Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts gelebt hat. "Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug" und: "Ich will im Herzen der Kirche die Liebe sein". Das sind zwei Sprüche, die von der Heiligen Theresia von Lisieux stammen, oder ihr zugeschrieben werden. Dass sich jemand zu schwach, zu kraftlos, zu klein und unbedeutend fühlt, um eine große Aufgabe zu schaffen, das kann ich gut nachempfinden. Aber dann zu sagen: Ich nehme den Aufzug, das finde ich echt witzig und so genial einfach. Aber selbst ihre Mitschwestern haben nicht verstanden, dass diese so einfache, kleine, liebenswürdige Schwester jeden Tag sehr hart daran gearbeitet hat, diesen "Aufzug der Liebe" zu nehmen. Als sie schon schwer krank war und im Auftrag der Priorin ihren Lebensweg in einem Büchlein zusammenfassen sollte, hat Theresia das getan. Nachdem die Priorin es gelesen hatte, meinte sie: "Es sei ja lieb und nett, aber man brauche doch etwas Ernsthaftes". Auch sie hatte nicht verstanden, dass die täglichen kleinen Dinge, die in Liebe und Freundlichkeit getan werden, ein viel größerer Schatz sind als tausend wortgewandte Abhandlungen über die Liebe Gottes. Die täglichen Dinge in Liebe tun, das hat sie als ihren kleinen Weg verstanden. Und jeder von uns die schon mal versucht hat, die eigene Ungeduld zu zügeln, die Schwächen der Mitmenschen oder des Chefs und die Marotten der eigenen Familie zu tragen und mit Liebe und Einsatz alles zu tun, was dran ist, kann sehr gut verstehen, dass es echte und harte Arbeit ist. "Ich bin viel zu schwach, um aus eigener Kraft, den Weg zu Gott zu schaffen. Ich denke, ich werde den Aufzug nehmen- die Liebe zu Gott ist der schnellste und sicherste Aufzug". Das ist ein guter Tipp für alles, was heute zu tun ist.

  • September 30 · 69 hr 10 min

    Die Bibel als Alltagshelfer / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Dieser Tage habe ich lange mit einer jungen Frau geschattet. Sie ist seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich mehr gibt als dieses normale Leben, mit seinem Alltag und seinen Dauerschleifen aus Schule, Studium, Arbeit, Party und Musiksessions, wechselnden Freunden und weitläufigen Bekanntschaften. Und bei diesem Suchen ist sie im weltweiten Netz auf uns gekommen: einen kleinen Konvent von Franziskanerinnen im Sauerland. Sie hat ganz vorsichtig gefragt, ob sie mal kommen könne. Sie sei aber weder getauft noch habe sie irgendeinen Kontakt zu irgendeiner Kirche. Ich gebe gerne zu, dass mich solche Kontakte eher noch neugieriger machen, als ich ohnehin schon neugierig auf Menschen und ihre Geschichten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott auch seine Freude daran hat, die neuen Medien zu nutzen, um bei den nach allem möglichen suchenden Usern anzukommen, ohne dass sie es ahnen. Ich bin gespannt und ich bitte in den Tagen vorher immer um ganz viel Heiligen Geist. Vom Heiligen Hieronymus, den wir mit der Kirche heute feiern, sagt man, dass er eine solche Liebe zum Heiligen Geist und von ihm inspiriert zur Heiligen Schrift hatte, dass er darin immer mehr zu den Quellen des wahren Lebens gefunden hat, zum dreifaltigen und darin einen Gott. Er gehört zu den großen Kirchenvätern der Antike. Seine Bibelübersetzung ist die bis heute gültige und meist verwendete. Und ganz oft denke ich, wie sollten wir von Gott und von Jesus Christus wissen, wenn wir nicht jeden Tag in der Bibel lesen und dann versuchen, dieses Gelesene in unseren Alltag hineinzugeben. Und Menschen, die noch nie mit der Heiligen Schrift Kontakt hatten, sind immer wieder ganz erstaunt, dass ganz vieles, was darinsteht, so genau ihre Situation beschreibt und ziemlich viele gute Tipps hat, für das alltägliche Leben. Vielleicht ist es auch für Dich heute ein guter Tipp, wenn Du es nicht ohnehin schon tust, jeden Tag einen kleinen Abschnitt zu lesen und zu bedenken und mit der Bitte um den Heiligen Geist Deinen Alltag dahinein zu geben.

  • September 29 · 76 hr 40 min

    Drei Erzengel für dich / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Hast Du etwas mitbekommen von der Papstreise durch Frankreich in den letzten Tagen? Ich habe Videos und Podcasts dazu gesehen und gehört und ich bin echt überrascht und begeistert: Diese unendlich vielen, zumeist jungen Menschen, die zu den Gottesdiensten und Gebetstreffen gekommen sind, haben eine Begeisterung ausgestrahlt, die schon ansteckend ist. Eine der schönen Teile eines Gottesdienstes war der Einzug von vielen Jugendlichen, die die unendliche Zahl französischer Heiliger dargestellt haben. Und Papst Leo hat dieses Bild aufgegriffen und allen im Stadion zugerufen: Ihr seid heute die Heiligen Gottes, also die Menschen, die ihr Heil-sein nicht von sich selbst, sondern von Gott erwarten. Ein richtig guter Zuspruch, finde ich.Heute feiern wir mit der Kirche des Himmels das Fest der heiligen Erzengel. Eine Umfrage zeigt, dass viele Menschen an die Gegenwart von Engeln glauben – weil sie Dinge erlebt haben, die zwischen Himmel und Erde passieren, die wir mit unserem naturwissenschaftlich geprägten Verstand nicht ergründen können.Der Erzengel Michael stellt uns quasi die Frage: wer ist wie Gott? Und da gibt es im Laufe der Menschheitsgeschichte nicht so wenige, die sich selbst für Gott gehalten haben und dann aber die Menschen ins Unglück gestürzt haben. Die Frage danach, wer Gott für mich ist, sortiert die Verhältnisse neu: dieser Gott will Leben in Fülle für alle, und nicht Menschen, die sich als kleine oder große Götter aufspielen.Der Erzengel Gabriel weiß: Meine Kraft ist Gott und bringt deshalb nicht seine Ideen und Podcasts, sondern Gottes Wort und Botschaft zu den Menschen. „Meine Kraft ist Gott!“ Das hat auch Maria verstanden, als Gabriel sie bat, die Mutter Jesu zu werden. „Wer bin ich, dass du mich fragst?“ hat sie erschrocken gemeint. Und dann doch zugestimmt – im Vertrauen auf diese Kraft Gottes. Gabriel, der Bote Gottes, hat diese Botschaft für uns: Du darfst darauf vertrauen, dass Gott deine Kraft ist, wenn du dich einsetzt für Veränderungen.Und Rafael, hat durch die Bedeutung seines Namens einen Zuspruch an uns: „Gott heilt!“ Bei Darstellungen dieses Erzengels findet sich manchmal die lateinische Inschrift: „Medicina Dei“. Gott hat eine Medizin für uns. Er ist der Arzt, der uns heilen kann von unseren Süchten, der uns befreien kann von unseren Abhängigkeiten, der uns helfen kann, Egoismus und Selbstsucht zu überwinden.

  • September 28 · 72 hr 13 min

    Frauen und Männer gestalten zusammen die Kirche / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ich hatte eine ältere Cousine, die Lioba hieß. Ich hatte als Jugendliche den Namen nie vorher gehört und fand ihn interessant. Und neuerdings kenne ich hier einige Mädchen und Frauen, die diesen Namen tragen. Ihn trug eine der starken Frauen in der Kirche im 8. Jahrhundert im Frankenreich, also im heutigen mittleren und südlichen Deutschland, die die Art des Kirche-werdens im frühen Mittelalter sehr geprägt hat. Lioba wird in Wessex in England um 705 geboren und einer der Verwandten der Familie ist der spätere Bonifatius, der Apostel der Deutschen. Die Eltern des kleinen Mädchens sind so glücklich über dieses einzige Kind, dass sie es Gott weihen und zur Bildung und Erziehung in ein Benediktinerinnenkloster geben. Um 735 folgte Lioba der Bitte des Bonifatius um ihr Mitwirken; er hoffte, mit den gebildeten angelsächsischen Ordensfrauen sein Missionswerk zu veredeln. Er begann um Würzburg und in Thüringen Frauenklöster einzurichten, einen Vorposten bildete das Kloster Tauberbischofsheim. Bonifatius berief Lioba zur Äbtissin dieses Klosters und als Leiterin der übrigen von ihm gestifteten Klöster. Besonders widmete sie sich der Erziehung von Frauen und Töchtern des Adels. Auch Lioba selbst gründete in den folgenden Jahren mehrere Klöster. In Tauberbischofsheim richtete sie eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für die neu gegründeten Klöster seine Ausbildung erhielt. Lioba also, eine kluge und weitsichtige Frau, die Planen und Bauen, Gründen und Lehren, mit Beten und Singen, mit Lesen und Leben aus dem Evangelium verbunden hat. Sie hat ein Werk geschaffen, das bis heute gültig ist: Mädchen und jungen Frauen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen, das umliegende Land zu kultivieren und im Kontakt zu den Herrschern ihrer Zeit als besonders gütig zu dem Armen bekannt zu sein. Sie hat große Klöster gegründet und geleitet und hatte in der Kirche ihrer Zeit eine hoch angesehene Stellung. Der heilige Bonifatius, der Apostel der Deutschen, hat erkannt, dass nur Frauen und Männer zusammen diese Kirche gestalten und glaubwürdig das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen können.

  • September 27 · 76 hr 23 min

    Im Kleinen das Große wirken / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Wenn du einmal groß bist! Sicher haben viele von uns diesen Satz schon als Kind gehört. Wenn du einmal groß bist, dann darfst du alles, dann kannst du die Welt erobern, dann wirst du Großes leisten. Groß sein, das klingt nach Erfolg, Macht, Bedeutung. Deshalb bezeichnen wir bestimmte Menschen als die Großen: Herrscher, Feldherren oder auch Heilige. Und doch fällt auf: Die wirklich Kleinen sind selten. Eine Ausnahme ist die kleine Therese von Lisieux, die wir in den nächsten Tagen feiern werden. Man nennt sie bis heute liebevoll die kleine Theresia. Ihr Leben war kurz, verborgen, unscheinbar. Kein großes Werk, keine spektakulären Taten und doch gehört sie zu den größten Gestalten der Kirche. Ihr Weg heißt der Kleine Weg, ein Weg der Hingabe, des Vertrauens und der Liebe im Alltag. In uns steckt oft der Wunsch, groß zu sein, alles im Griff zu haben. Manchmal führt das dazu, dass wir Gott verlieren. Therese wählte einen anderen Weg. Sie sagt: Ich bin ein Kind Gottes, nicht stark aus mir selbst, sondern angewiesen, anhänglich, vertrauend. Christlich nennt man das Demut, nicht als Schwäche, sondern als innere Stärke. Diese Haltung zeigt sich in kleinen Gesten, etwa im Umgang mit einer alten, kranken Mitschwester, eine schwierige Frau, unzufrieden, fordernd. Therese übernimmt freiwillig den Dienst an ihr, nicht aus Sympathie, sondern aus Liebe, still und ohne Applaus. Sie selbst schreibt: Ich bin eine sehr kleine Seele, die Gott nur sehr kleine Dinge anbieten kann, das Geringste ist wertvoll in seinen Augen. Das erinnert mich an den sogenannten Schmetterlingseffekt: Ein kleiner Flügelschlag kann große Folgen haben, was aus kleinen Gesten geworden ist, zeigt die Wirkung ihres Lebens. Mutter Theresa von Calcutta trug ihren Namen; Menschen finden bis heute durch ihr Buch zum Glauben. Kurz vor ihrem Tod erlebte Therese eine tiefe Dunkelheit, Zweifel, Leere. Der Theologe Thomas Halik sieht darin eine Nähe zu Jesu Ruf am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Der Glaube bleibt fragil, aber die Liebe bleibt. Und genau das macht Therese groß: Nicht Macht, nicht Leistung, sondern Liebe bis zuletzt. Und so konnte die große Mitschwester, die heilige Edith Stein, einmal sagen, ich kenne nichts Größeres als Therese von Lisieux. Vielleicht beginnt wahre Größe genau dort, wo wir aufhören, groß sein zu wollen und anfangen, im Kleinen zu lieben.

  • September 26 · 72 hr 30 min

    Gott ermöglicht im Schmerz neues Leben / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Wir erschrecken uns oft vor dem, was wir nicht verstehen, vor allem auch vor dem Leid, vor der Ohnmacht, vor dem, was uns überfordert. Doch gerade darin offenbart sich eine besondere Wirklichkeit. In der Bibel begegnet uns ein Mensch, der leidet, dem das Leben zu entgleiten droht. In ihm ist nicht ein guter, lebenspendender Geist vorherrschend, sondern etwas, das ihn an den Rand des Todes führt, ein unreiner Geist. Die alten Autoren nannten ihn Dämon, was man auch mit Zerteiler übersetzen kann. Es geht dabei nicht um Fantasiegestalten, sondern um die Wirklichkeit des Leidens, die wir oft nicht mit Worten begreifen können. Jesus aber spricht in solcher Situation mit Vollmacht. Das griechische Wort dafür, exousia, bedeutet Freiheit, Freiheit zu wirken, zu verfügen, zu bestimmen. Macht verträgt sich nicht mit Ohnmacht, könnte man meinen. Und doch zeigt gerade die göttliche Vollmacht in Jesus: Freiheit kann sogar mitten in der Ohnmacht wirken. Am Kreuz wird das sichtbar. Paradoxerweise ist die Macht Gottes gerade im scheinbaren Verlust wirksam. Das Heil, das Jesus wirkt, ist kein Entrinnen aus der Welt, keine Flucht vor den Problemen. Es ist die Kraft, mitten im Schmerz und in der Zerbrochenheit den Weg der Heilung zu gehen. Emotionen, Leid, Angst, all das sind keine Hindernisse, sondern Hilfen, um uns in die Welt einzufügen, um zu erkennen, wo unsere Kraft liegt. Sie zeigen uns, wie wir auf das Leben reagieren können. Es gibt Wege, sich der Wirklichkeit des Leidens zu stellen, sich an Stärken erinnern, an Erfolge, die man erlebt hat, den Blick auf das Naheliegende lenken, Schritt für Schritt die Zukunft nicht aus den Augen verlieren und in all dem immer wieder die Nähe Gottes zu suchen. Thomas von Aquin, der hier in Köln gelebt hat, sagte einmal: "Es ist unmöglich, dass ein Mensch gut ist, außer es steht im rechten Bezug zum gemeinen Wohl." Gottes Vollmacht wirkt in uns und durch uns. Sie befreit uns von der Ohnmacht, verbindet Heilung mit der Realität des Lebens und macht uns fähig, uns einzufügen in Gottes Welt, zum Wohl der Menschen, in unsere eigenen Probleme, ohne die anderen aus dem Blick zu verlieren. Und so, so wird sichtbar: Heilung geschieht nicht, weil Probleme verschwinden, sondern weil die Kraft Gottes mitten hineintritt und neues Leben ermöglicht.

  • September 25 · 73 hr 3 min

    Ihr Verzicht hilft vielen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ein sehr erfolgreicher Mann heiratet ein junges Mädchen und gründet Hof und Familie. Er ist als Ratsherr und Richter viel unterwegs, muss auch als Soldat seinem Kanton dienen und überlässt seiner jungen Frau immer mehr Aufgaben in Feld und Landwirtschaft, mit Vieh und Dienstleuten. Sie bekommen 10 Kinder und leben 18 Jahre in glücklicher Ehe. Alles in bester Ordnung also. Aber dann wird der Mann immer unruhiger, immer verschlossener, seiner Frau immer fremder. Er betet und fastet viel und berät sich mit einem langjährigen Freund. Und dann geht er zu seiner Frau und bittet sie, ihm ein zweites Mal ihr Ja zu geben. Beim ersten Mal, bei ihrer Hochzeit, und nun ein zweites Mal, um von ihr weg zu gehen und Gott zu dienen. Und nach langen Wochen gibt seine Frau Dorothea ihm, dem geliebten Nikolaus von der Flüe ihr großes JA zu seinem neuen Weg. Durch ihren Verzicht und ihr, jetzt wirklich schwierigeres Leben, wird sein neues Leben möglich. Er wird zum Einsiedler und gleichzeitig Berater vieler Menschen. Er, der jetzt wieder ausgeglichen und froh leben kann, wird zum großen Friedensstifter der Schweiz, zu ihrem Patron und zum großen Vorbild. Der Weg dieser beiden Menschen ist sehr ungewöhnlich und beide, sind nur Miteinander und Füreinander zu denken. In einer Bronzeplastik werden beide, Nikolaus und Dorothea gezeigt, wie sie das Radbild halten und darin verbunden sind. In diesem Radbild weisen Strahlen den Weg in die Mitte und damit auf den Grund aller Dinge. Gleichzeitig führen sie in die Weite, hinein in Aktion und Engagement. Klaus hat die beiden Dimensionen dieses Bildes gelebt und seine Frau Dorothea, auf ganz andere Weise, ebenso. Und auch nur von beiden zusammen ist das Gebet des Nikolaus von der Flüe zu verstehen und zu beten: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir! Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir! Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu Eigen dir! Amen

  • September 24 · 74 hr 43 min

    Jeden einzelnen Tag Gott in die Hände legen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Bei einer unserer zuletzt verstorbenen Mitschwestern lagen im Stundenbuch viele handgeschriebene kleine Zettel mit Bibeltexten und eigenen kleinen Gebeten. Da viele unserer Schwestern sehr alt werden, ist die Handschrift oft noch sehr der alten Sütterlinschrift ähnlich, die heute nur noch wenige Menschen wirklich schreiben und noch viel weniger Menschen fließend lesen können. Und so ist es natürlich auch mit den Texten, deren Formulierungen zeitbedingt, deren Inhalte aber meist zeitlos sind. Auf diesem A5 Blatt stehen zwei Dinge. Zunächst eine Zeile aus dem Römerbrief: „Wer vermag uns zu scheiden von der Liebe Christi?“und dann ein vielleicht selbstformuliertes Gebet:„Mein Anfang und mein Ende leg ich in deine Hände, Vater, steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“Und je länger ich das so sehe und lese und die alte Schwester vor Augen habe, desto mehr fällt mir auf, in welch tiefem Zusammenhang diese beiden kleinen Texte stehen.Wer in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren ist, hat als Kind und Jugendliche die Zeiten zwischen den Weltkriegen, den Nationalsozialismus und die Schrecken des zweiten Weltkrieges erlebt, die Not- und Hungerjahre direkt danach und den Kampf der Familien ums Überleben, die Teilung des Landes, Flucht und Vertreibung und die unglaubliche Zähigkeit vieler Menschen, die unser Land wieder aufgebaut haben. Und in all dem steht diese Zeile aus dem Römerbrief: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Anscheinend ja nicht so viel, denn sie sind dann in die Ordensgemeinschaft eingetreten und haben Jahrzehnte im Dienst an den Mitmenschen, den Kindern, Kranken und Alten, den eigenen Mitschwestern und den Kirchengemeinden gestanden und die Liebe Christis gelebt und weitergetragen. Und wenn man dann aus vielen Erzählungen weiß, durch welche Höhen und Tiefen sie gegangen sind, dann versteht man, dass sie das alles konnten, weil sie jeden ihrer Tage ihrem Gott in die Hände gelegt und vertrauensvoll all das gelebt und getan haben, was einfach dran war. Dann verstehe und bestaune ich dieses kleine Gebet und mir wird deutlich, welche Kraft und welches Vertrauen darin für sie gelegen hat.„Mein Anfang und mein Ende, leg ich in deine Hände, Vater steh mir gnädig bei, dass mein Werk gesegnet sei“

  • September 23 · 70 hr 50 min

    Eine Wohnung für dich / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ich habe nach einem bestimmten Text gesucht, den ich für einen Vortrag nutzen wollte und dabei ist mir dieses Gebet in die Hand gefallen. Also möchte ich mit Dir diesen Morgen mit einem Gebet von Papst Johannes XXIII. beginnen: "Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich. Du bist der Gast, den ich erwarte, der Freund, der bei mir bleiben soll. Dir, dem ein Palast gebührt, habe ich nur eine ärmliche Hütte anzubieten. Ich schmücke mein Herz mit Sehnsucht und Verlangen. Dann wird der Glanz des Himmels, meine Wohnung erhellen. Mein Haus – die Kathedrale, Mein Herz – der Tabernakel. Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!" Die Sprache ist natürlich aus den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, aber ich kann da mal genauer draufschauen. Ich kann den Tag sehr verschieden anfangen: mit einem Blick auf das Kreuz und einem Kreuzzeichen, mit den Gedanken an alles, was heute auf mich zukommt, und dann mit der Bitte an Gott, mir bei allem, was da kommt, zur Seite zu stehen, mit allen Sorgen und Nöten, die mich schon wieder überfallen, oder wie in diesen Zeilen von Johannes XXIII., mit der Bitte an Gott, bei mir zu sein, Gast in meinem Herzen zu sein und somit alles ein wenig heller zu machen. Sorgen und Nöte werden damit nicht automatisch kleiner: aber da ist einer, der es mit mir durchsteht. Freude und Zuversicht werden größer: weil es sich verdoppelt, wenn ich es mit IHM meinem Gott, teile. Und die Helligkeit, die mir von Gottes Nähe kommt, strahlt nach außen aus, und bringt vielleicht einem Mitmenschen ein bisschen mehr Licht in sein Leben. Und die Sehnsucht und das Verlangen nach Gott und seiner Nähe macht mich unabhängiger davon, dass ich selbst alles allein leisten muss: denn ER steht mir zur Seite. Also bitte ich gern: "Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!"

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