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Morgenimpuls

DOMRADIO.DE

Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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  • 59 episodes
  • daily
  • Avg 70 hr 5 min
  • German
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  • Today · 72 hr 13 min

    Jesus will Barmherzigkeit / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Matthäus hat es eigentlich leicht. ER hat einen tollen Job, der ihm selbst Reichtum verschafft hat. Er treibt für die Besatzungsmacht der Römer die Zölle ein. Und natürlich hat er das so gemacht, dass auch für ihn selbst was übriggeblieben ist. Und ich glaube nicht nur ein bisschen. Das war soweit ziemlich normal. Aber er war, um es mal milde auszudrücken, bei seinen Landsleuten nicht gerade beliebt. So wie sein Job. Wer liebt schon bei uns das Finanzamt. Er hat den ganzen Rummel um diesen Jesus mitbekommen und war schon neugierig geworden. Aber Zöllner waren damals so ziemlich die Letzten in der Rangfolge. Man brauchte sie, aber man hasste sie. Und so sitzt er Tag für Tag an seiner Zollstelle und macht seine Arbeit. Und genau an der Stelle kommt Jesus vorbei, sieht ihn und sagt: Komm, folge mir nach. Und Matthäus ist völlig perplex, lässt alles stehen und liegen und folgt ihm. Und dann nimmt er ihn mit nachhause zum Essen und immer mehr seiner Kollegen und andere Leute aus ihrem Umfeld kommen dazu und essen zusammen. Was normal klingt, aber einem strenggläubigen Juden schlicht und einfach verboten war. Und so kommt es natürlich: die klugen und gebildeten Pharisäer sagen nicht zu ihm, sondern zu denen, die ihm folgen: wie kann der nur! Er müsste doch genau wissen, dass das verboten ist und nicht dem göttlichen Gesetz entspricht. Genau da prallen Welten aufeinander. Zum einen Matthäus, der wegen seines Berufes zu den Verfemten gehört und jetzt glücklich ist, dass Jesus das nicht stört und ihn trotzdem in seine Gruppe beruft. Und dann die Frommen von außen, denen es gar nicht um Gott und seine Gebote geht, sondern nur darum, recht zu behalten und die, in ihren Augen, Bösen und Ungerechten anzuklagen. Und mittendrin Jesus, der eine mehr als gute Begründung für sein Handeln hat: Er hörte es und sagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Da steht es also, schwarz auf weiß: nicht das Erfüllen von Gesetzen und Kirchengeboten ist die Norm, sondern das, was Jesus will. Er will, dass wir barmherzig sind – ein liebevolles, gütiges Herz haben gegen jede Frau und jeden Mann.

  • Yesterday · 65 hr 16 min

    Gott ist keine Sehenswürdigkeit / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Wenn man so vor einer Sehenswürdigkeit steht, dann lohnt es sich auch mal, die anderen Menschen ein bisschen zu beobachten. Denn da sind Menschen, die die richtige Pose suchen. Den richtigen Winkel. Noch ein Bild. Und noch eins. Wie viele dieser Bilder werden wohl auch direkt wieder gelöscht? Und dann frage ich mich manchmal schon: Geht es da jetzt eigentlich noch um die Sehenswürdigkeit? Oder darum, dass man da war? Oder vielleicht sogar darum, dass man sich selbst möglichst gut an einem Ort darstellt, an dem alle anderen auch schon waren? Aber am Ende ist es eben immer nur ein Schnappschuss. Ein Bild. Und die richtig krassen Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel den Kölner Dom, die kann man sowieso fast gar nicht fotografieren. Zu groß, zu erhaben und vielleicht auch einfach zu prächtig. Irgendwie passt der nie so richtig aufs Bild. Ist das mit Gott nicht auch so? Dorothee Sölle stellte einmal die These auf, dass das Bilderverbot der Bibel gar nicht bedeutet, dass wir uns Gott nicht vorstellen dürfen. Das fände ich auch ziemlich schwierig. Gerade wenn ich gleichzeitig daran glaube, dass Gott einer ist, mit dem wir in Beziehung treten dürfen. Mehr noch: mit dem wir immer schon in Beziehung sind. Sölle versteht das Bilderverbot anders: Ein Bild wird dem, was es abbildet, niemals ganz gerecht. Es zeigt etwas. Aber eben nie alles. Und deshalb kann auch kein Bild Gott festhalten. Vielleicht gilt das genauso für unsere Worte. Für alles, was wir über Gott sagen. Es kann auf ihn verweisen. Es kann etwas von ihm zeigen. Vielleicht sogar etwas ziemlich Wichtiges. Aber es ist niemals Gott ganz. Als Theologin verstehe ich das. Als Mensch möchte ich trotzdem einfach von meinem Gottesbild erzählen. Von dem, was mich in meinem Alltag auf Gott hinweist. Von den Momenten, in denen ich glaube, etwas von ihm zu erkennen. Von den Schnappschüssen von dem Gott, an den ich glaube. Und vielleicht reicht das ja auch. Denn ein Schnappschuss zeigt nie alles. Aber manchmal zeigt er genug, um sich zu erinnern, was man gesehen hat.

  • Saturday · 79 hr 10 min

    Netze aus Beziehungen und Liebe / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Ich bin ein totales Verpackungsopfer. Es gibt bestimmte Produktverpackungen im Supermarktregal, die mich einfach so sehr ansprechen, dass ich zum Beispiel unfassbar viele Sorten Tee im Regal habe. Obwohl ich eigentlich viel mehr Kaffeetrinkerin bin. Kennst du das? Wenn du Dinge kaufst, einfach weil du denkst, du müsstest sie haben wollen, obwohl du irgendwie weißt, dass du sie eigentlich gar nicht brauchst? Und heute ist das ja oft noch ein bisschen verrückter. Als gläserner Kunde weiß der Versandhändler manchmal schon vor mir, was ich angeblich benötigen könnte. Werbung wird immer gezielter. Es geht darum, meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Mich irgendwie zu ködern. Und bei diesem Wort muss ich über den Begriff des "Menschenfischens" schmunzeln. Denn im Lukasevangelium sagt Jesus tatsächlich zu Simon: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen." Und ja: Menschen fangen. Das steht da wirklich so. Ich finde das heute erst einmal einen ziemlich befremdlichen Ausdruck. Menschen sind doch keine Beute. Sie sollen nicht geködert, eingefangen oder festgehalten werden. Aber die Geschichte dazu finde ich spannend. Simon und die anderen Fischer waren die ganze Nacht draußen. Sie haben gearbeitet, ihre Netze ausgeworfen und nichts gefangen. Die Netze sind leer. Und dann sagt Jesus zu Simon: Fahr noch einmal raus. Wirf die Netze noch einmal aus. Simon macht es. Obwohl er eigentlich allen Grund hätte zu sagen: Das bringt doch sowieso nichts. Und plötzlich sind die Netze so voll, dass sie fast reißen. Eigentlich könnte die Geschichte hier wunderbar zu Ende sein. Leere Netze, Vertrauen auf Jesus, volle Netze. Erfolgsgeschichte. Fertig. Aber sie geht weiter. Denn ausgerechnet jetzt lassen die Fischer ihre vollen Netze zurück und folgen Jesus. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass Jesus mit dem Menschenfischen einfach nur das nächste volle Netz meint. Möglichst viele Menschen einfangen. Möglichst viele Follower sammeln. Interessanterweise benutzt das Lukasevangelium an dieser Stelle sogar ein besonderes Wort. Eines, in dem es darum geht, Menschen lebendig zu fangen, sie für das Leben zu gewinnen. Und vielleicht muss ich dieses Menschenfischen deshalb ganz anders verstehen. Ich stelle mir diese neuen Netze gerne als Lebensnetze vor. Netze aus Menschen, aus Begegnungen, aus Beziehungen und Liebe. Denn vielleicht gibt es einfach ganz unterschiedliche Arten von Fülle. Mein Warenkorb kann voll sein. Mein Teeregal kann voll sein. Mein Kleiderschrank kann voll sein. Und daran ist nicht alles schlimm. Aber mein Leben kann eben auch voll sein. Voll mit Menschen. Mit Begegnungen. Mit Beziehungen. Mit Liebe. Und vielleicht ist das die Art von vollen Netzen, zu denen Jesus seine Jünger losschickt. Netze, die ich immer wieder auswerfen kann. Auch dann, wenn ich denke: Das bringt doch sowieso nichts. Auch dann, wenn sie gerade ziemlich leer aussehen. Im Vertrauen darauf, dass mein Leben sich füllen kann. Und meinen Tee darf ich trotzdem behalten.

  • Friday · 79 hr 10 min

    Wenn ein langes Leben endet / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Heute wird eine unserer Mitschwestern beerdigt. Die dritte in diesem Jahr. Sie war im 100. Lebensjahr und wirklich eine sehr starke und besondere Frau. Und bei den Überlegungen, was wir in den Totenbrief schreiben könnten, war die Auswahl zunächst schwierig. Sie hat im Laufe ihres langen Ordenslebens in so vielen sozialen und karitativen Einrichtungen gearbeitet, sich mit Fortbildungen immer gut qualifiziert und mit hohem Engagement eingesetzt. Das ist immer die eine Seite des Ordenslebens. Die nächste Seite ist das geistliche Leben in Gebet und Bibellektüre, Exerzitien und auch hier Fortbildungen, das ganze Leben lang. Und die dritte Seite das Leben in der Gemeinschaft, im Kloster, in der Provinzgemeinschaft mit den jeweiligen Schwestern. Und in unseren Überlegungen sind uns ein paar Dinge besonders ins Auge gefallen. Sie war eine herzliche und immer sehr authentische Schwester. Ihr Augenmerk lag auf den Anliegen und Sorgen der einzelnen Schwestern. Wobei sie besonders die im Blick hatte, die sonst nicht so gesehen wurden. Oft werden ja auch in den Familien erst die beachtet, die hervorragende Dinge leisten oder auch die, die immer Probleme und Sorgen machen. Und da fallen die stilleren, ruhigeren und zurückgezogenen oft durchs Aufmerksamkeitsraster. Bei ihr nicht. Sie hat immer versucht und meist geschafft, Brücken zu bauen zu den Einzelnen. Und sie war eine biblisch fundiert gläubige und zutiefst fromme Frau, die ihr Interesse an Kirche und Ordensgemeinschaft immer gepflegt hat. Vielen Schwestern ist ihre Begeisterung für die Gestaltung von Festen und Feiern in bester Erinnerung sowie die Liebe zum Detail und zu einer schönen ästhetischen Gestaltung von Räumen und festlichen Tafeln. Das hat mir echt gefallen. Jemand die immer in verantwortlichen Positionen gestanden hat und viele lange und anstrengende Zeiten kannte, und den Schwestern fallen da eher hunderte Geschichten ein, wie sie andere beschenkte, mit herzlichen Kleinigkeiten Freude gemacht hat und eine Begeisterung dafür hatte, Feste und Feiern im Kloster schön zu gestalten und heitere Ästhetik zu vermitteln. Und dann waren noch die letzten, etwas mühsamen Monate, in denen sie an den Gebrechen ihres hohen Alters gelitten hat und aber ganz klar gesagt hat: Ich nehme das in Ruhe an, aber ich bin auch bereit zum Sterben und freue mich auf die Begegnung mit meinem Herrn Jesus Christus. Eine solche Frau ist ein starkes Vorbild fürs Leben und für den Umgang mit dem herannahenden Tod. Und da stellt sich für mich und auch für Dich vielleicht die Frage: was möchte ich, das man später mal über mich sagt oder schreibt?

  • Thursday · 73 hr 3 min

    Wenn das "Nein" der Kirche keine Option ist / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Heute bin ich ein bisschen hin und hergerissen. Die Kirche verehrt eine große Heilige, und wir hier in Olpe verehren unsere selige Gründerin. Die Heilige, die gefeiert wird, ist die Heilige Hildegard von Bingen. Sie ist vor mehr als 900 Jahren als junge Frau ins Kloster eingetreten und hat dort 35 Jahre gelebt. Hildegard von Bingen gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke sind aber sehr vielfältig und befassen sich unter anderem mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Sie war auch Beraterin vieler Persönlichkeiten. Von ihr ist ein umfangreicher Briefwechsel erhalten geblieben, der auch deutliche Ermahnungen gegenüber hochgestellten Zeitgenossen enthält, sowie Berichte über weite Seelsorgereisen und ihre öffentliche Predigttätigkeit. Aber dann hat sie sich getraut: sie hat sich getraut, mehr auf Gott als auf die Vertreter der Kirche zu hören. In ihren göttlichen Visionen hatte sie erfahren, sich mit ihren Schwestern an den Rhein zu begeben und dort neu zu gründen. Zwei Jahre hat sie sich mit den kirchlichen Oberen gestritten und sich dann doch durchgesetzt. Sie wäre nie die große Prophetin und Visionärin geworden, wenn sie sich dem NEIN der Kirche gebeugt hätte. Allein darin ist sie schon Vorbild: dazu stehen, was ich als richtig erkannt habe, und dann auch gegen Widerstand durchsetzen. Grabstätte der Seligen Maria Theresia Bronzel in Olpe / © Mathias Peter ( DR ) Und dann ist noch unsere Gründerin, Mutter Maria Theresia Bonzel. Sie ist heute vor 196 Jahren hier in Olpe geboren, hat schon als junges Mädchen erkannt, dass man etwas gegen die Not der Waisenkinder tun muss. Sie hat mit unglaublichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und sich auch nicht davor gefürchtet, sich mit weltlichen und auch sturen kirchlichen Obrigkeiten herumzuschlagen, wenn es um ihr Werk für die Kinder und gegen die Not von Kranken und Schwachen ging. Man sagt ja immer so leichthin, die Frauen seien das schwache Geschlecht. Gerade diese beiden Frauen, die zu so unterschiedlichen Zeiten gewirkt haben machen schon klar, dass es immer starke Frauen in der Kirche gegeben hat. Erkennen, was dran ist und dann auch tun – gegen Widerstände und die Angst vor der eigenen Courage. Stark.

  • Wednesday · 80 hr

    Mitarbeiter gesucht, der mit mir Pause machen kann / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Mit dem Auto bin ich eine ziemlich belebte Straße in der Stadt entlang gezuckelt und hatte Zeit, rechts und links ein bisschen zu schauen. Und rechts an der Straße pausierte, in einer dafür vorgesehenen Parkbucht, ein Linienbus. In dem Display oben in der Mitte blinkte eine Kaffeetasse, was ich wirklich nett fand und womit auch klar wurde: Ah, der Fahrer hat Kaffeepause! Und genau darunter war ein deutlicher Aufdruck mit dem Aufruf: „Mitarbeiter gesucht“ In dem Moment musste ich laut lachen, weil in mir sofort die Wortspielerei losging: Mitarbeiter hat Pause, also neuer Mitarbeiter gesucht. Oder: damit dieser Busfahrer Pause machen kann, wird ein neuer Mitarbeiter gesucht, oder noch besser: Mitarbeiter gesucht, der mit mir Pause machen kann. Das zusammenpassen von Wort und Bild ist in der Werbung besonders wichtig und muss immer gut bedacht werden. Und dass dann dabei so witzige Kombinationen in meinem Kopf entstehen, ist vielleicht gewollt oder auch ein ungewolltes Nebenprodukt. Es gibt so Texte in der Bibel, die kann man drehen und wenden wie man will, und trotzdem wird nie falsch verstanden, worum es geht. Weil die Zeilen so klar und eindeutig sind und deshalb kein Kuddelmuddel zwischen Bildsprache und Textbotschaft entsteht. So ein Text steht für uns heute im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth und sagt:„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel reden könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Blech oder eine lärmende Trommel. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenken würde und mich aufopfern für jemanden, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.“Und dann kommt so könnte man sagen, der Knaller in der ganzen Zuordnung. Nämlich: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ Klar, oder?

  • Tuesday · 85 hr 50 min

    Wunsch nach Frieden über Jahrhunderte hinweg / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Am Samstag haben wir mit vielen hundert Menschen in Dortmund ein wunderschönes Fest gefeiert. Und dabei ging es um ein Todesjahr. Vor genau 800 Jahren ist Franziskus von Assisi gestorben und der Titel des Festes war: 800 Jahre einfach leben – Franz von Assisi.Also nicht den Tod feiern, sondern das einfache Leben dieses beeindruckenden Menschen, der in den Wirren am Ende des zwölften und am Anfang des Dreizehnten Jahrhunderts so vieles so anders gemacht hat, dass er bis heute nicht vergessen ist und unendlich viele Menschen in ihm ein Vorbild sehen, eben auch für ein einfaches Leben.Das Theaterstück zum Beginn des Festes zeigte einige witzige Szenen. Zwei jugendliche Touristen spazieren durch Assisi und plaudern über diesen komischen Typen, der damals seine coolen Klamotten gegen ein Gewand eintauscht, das wie ein Kartoffelsack aussieht. Der scheinbar von Jesus vom Kreuz herab persönlich den Auftrag zum Kirchenbau bekommt, ob wohl er davon keine Ahnung hat. Und zwei dieser Kirchen stehen bis heute. Und die Schauspieler, eine Truppe junger Erwachsender, machen in pantomimischen Szenen, die beeindruckend synchron getextet werden, deutlich, wie Franziskus im Laufe der Zeit immer besser versteht, dass er die Kirche gestalten soll, die aus Menschen besteht, die der Hilfe bedürfen. Ein Gespräch auf der Bühne mit einem Franziskanerbruder und dem Bruder Bischof, dem Paderborner Erzbischof Benz, aktualisiert diese uralten Geschichten in die Gegenwart. Zum Schluss des Festes gab es beim Wortgottesdienst eine Szene, die mich zutiefst beeindruckt hat. Das Gebet um den Frieden, dass Franziskus so sehr am Herzen lag, und in dem auch der Opfer der Attentate vom 11. September 2001 gedacht wurde, wurde von einer Frau gelesen, in der Version, die es seit dem ersten Weltkrieg gibt. Und eine zweite Version, die von einem muslimischen Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert stammt, gelesen von einem muslimischen jungen Mann. Das waren die stillsten Minuten dieses Tages. Und da wurde mir deutlich, was Stille mitten in einer Großstadt, mitten in einem Fest, mit vielen hundert Menschen bedeuten kann: Pause, Aufatmen, Hören, Schweigen, Aufnehmen, Staunen, nachhallen lassen. Unglaublich eindrucksvoll. Und nach der Einzelsegnung aller, die das für sich annehmen wollten, und den Liedern dazu und dem Abschluss und dem Adieu, blieb eine beschwingte Leichtigkeit und eine heitere Gelassenheit, die so wohltuend war, wie es Franziskus vielleicht erahnt hat – mit dem Wunsch zum einfach leben.

  • September 14 · 72 hr 30 min

    Der Klang Gottes / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ich denke, dass kennst Du auch. Ab und zu muss man all die Kleinigkeiten, die sich so auf dem Schreibtisch oder auf dem Regal stapeln, mal durchsehen und aufräumen. Bei so einer Aktion sind mir ein paar Kärtchen in die Hand gefallen, die mich sofort wieder erinnert haben. Beim Liborifest in Paderborn Ende Juli war eine Kirche von der Citypastoral Paderborn als Klangraum gestaltet, in dem es Musik und Klang, Konzerte, Lesungen, Gespräche und stille Zeiten gab. Es gab Liegestühle zum Verweilen und schöne Klänge und Farben. Das Ganze war den verschiedenen Klängen gewidmet und sehr eindrucksvoll dargestellt. Die erste Station hatte den spannenden Titel "Der Klang Gottes". Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. So steht es in der Bibel. Gott als schöpferische Kraft, die alle Existenz in Gang gebracht hat, aus dem Chaos, dem Nichts in die Unendlichkeit. Aber wie hat sich das angehört, wie klang der Beginn von allem? Der Soundtrack des Anfangs ist nicht mehr nachvollziehbar, aber der Klang der danach entstanden ist: der Klang der Natur, der Klang des Alltags, die Musik, die wir Menschen kreativ erschaffen, unsere Sprache und Laute. All das und noch viel mehr klingt in uns und um uns, weil es uns gibt, weil wir Teil dieser wunderbaren Schöpfung sind. Der Klang Gottes – wir alle sind Teil davon. Soweit diese Einleitung zur Ausstellung. Und wenn heute, am Montag, der Alltag wieder losgeht, ist natürlich der Klang des Alltags mit all seinen Geräuschen sehr präsent: eine Zugdurchfahrt oder das Klicken der Ampeln, lautes Motorraddonnern auf Kopfsteinpflaster, eine knarrende Tür oder eine tickende Uhr, das Muhen der Kühe im Stall, Telefonklingeln, Schritte im Flur, Geschirrklappern, Kinderlärm auf dem Spielplatz, Baustellenlärm oder Tastaturklappern und noch viel mehr. Ich finde es eine gute Idee, heute mal auf zwei oder drei dieser vielen Alltagsgeräusche zu achten, ihnen bewusster zuzuhören und mal nachzuspüren, welche Gefühle das jeweilige Geräusch in mir auslöst. Jedes Geräusch, jeder Klang ist Teil unseres Lebens und Umfeldes, das sich in Jahren, Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt hat und in jedem von uns andere Gefühle und Emotionen auslöst. Und dann zu wissen, dass das alles im Klang Gottes verbunden ist, weil wir ein Teil dieser wunderbaren Klangschöpfung sind, ist schon wunderschön.

  • September 13 · 64 hr 26 min

    Positives Denken / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Heute ist der Tag des positiven Denkens. Eigentlich interessant, dass man einen solchen Tag braucht. Der Glaube will aber genau auch das in unserem Leben erwirken, positives Denken. Dabei beginnt der Glaube oft nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht, so wie bei Nikodemus. Er kommt zu Jesus mit Fragen, mit Unsicherheit, mit einer Sehnsucht nach mehr. Nicht als Gegner, sondern – das macht ihn besonders – als Suchender. Das Johannesevangelium beschreibt Glauben dabei nie als Besitz. Glauben ist kein Substantiv, kein Haben, es ist ein Verb. Glauben heißt sich anvertrauen, sich binden, sich in Bewegung setzen, nicht nur etwas für wahr halten, sondern jemandem das eigene Leben anvertrauen, positiv zu denken, könnte man auch sagen. Jesus spricht mit Nikodemus von einer neuen Geburt, von einem Leben aus dem Geist und er benutzt ein starkes Bild: Der Wind weht, wo er will. Der Geist Gottes ist nicht verfügbar. Er ist kontrollierbar, aber nicht erfahrbar, wie der Wind unsichtbar und doch mit spürbarer Wirkung. Dieses Leben aus dem Geist steht quer zu vielem, was unseren Alltag prägt, zu Selbstoptimierung, Leistungsdruck, ständiger Vergleichbarkeit. Ein Leben aus dem Geist lebt nicht aus reiner Selbstüberzeugung. Es lebt aus Beziehung, aus dem Vertrauen, dass mein Wert nicht gemacht, sondern geschenkt ist, positives Denken eben. Im Zentrum steht dabei ein Wort Liebe, nicht irgendeine Liebe, sondern Agape, eine Liebe, die nicht berechnet, nicht festhält, nicht sich selbst sucht. So liebt Gott die Welt, nicht als heile Idylle, sondern in all ihrer Ambivalenz und Gottesferne. Und das Ziel dieser Liebe ist nicht bloß ein Leben nach dem Tod. Es ist ewiges Leben, Leben in Gemeinschaft mit Gott. Nikodemus bleibt ein Suchender. Er versucht positiv zu denken und darin wächst er und am Ende tritt er ins Licht. Vielleicht ist das auch unsere Frage: Wo suche ich nach Sinn, Wahrheit, Orientierung? Wo beginnt mein Glaube vielleicht noch in der Nacht und wo lädt Gott mich ein, einen Schritt ins Licht zu wagen, auch wenn sich manches verändert? Denn wo wir uns dem Geist öffnen, da beginnt Leben, nicht perfekt, aber echt, eben positives Denken.

  • September 12 · 64 hr 43 min

    Du bist geliebt und Du bist gerufen / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen

    Kennst Du das Gefühl, wenn Dir alles über den Kopf wächst, wenn Deine Kraft, Dein Wissen und selbst Dein Glaube Dich im Stich lassen? Genauso ging es einmal einem jungen Studenten in Paris. Er hieß Franz von Sales und wurde später dann ein berühmter Heiliger, aber damals war er einfach nur verzweifelt. Er steckte mitten in einer tiefen Glaubenskrise, gequält von der Angst, von Gott verlassen zu sein. In dieser absoluten Dunkelheit seines Glaubens ging er in eine Kirche, kniete sich vor ein Marienbild und betete. Er sprach ein altes Gebet, das Memorare. Es beginnt mit den Worten: "Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm, von Dir verlassen worden ist." Und mitten in dieser Ohnmacht wendete sich etwas. Franz spürte keine Angst mehr, sondern tiefes Vertrauen. Diese Erfahrung wurde zum Wendepunkt seines Lebens. Er begriff: Gott ruft uns nicht durch Druck, sondern durch Liebe, nicht aus einer perfekten Fassade heraus, sondern mitten aus unserer menschlichen Zerbrechlichkeit. Heute feiern wir das Fest Mariä Namen, ein Fest, dass uns genau daran erinnern will. Der Name Maria steht für diesen Zufluchtsort. Er steht für das Versprechen, dass wir in den dunkelsten Stunden nicht alleine sind. Berufung, also das, wozu Gott dich und mich im Leben ruft, beginnt genau dort, wo wir aufhören, uns selbst retten zu wollen. Und sie geschieht in drei einfachen Schritten: Erstens wirst Du gesehen, so wie Du bist. Zweitens darfst Du Dich rufen lassen und die Richtung deines Lebens neu auf Gott ausrichten und schließlich bist Du drittens gesandt ganz konkret in Deinen Alltag, in deine Familie, deinen Beruf, deinen Freundeskreis. Du musst kein fehlerfreier Überflieger sein. Heiligkeit beginnt im Ernstnehmen deines Menschseins – man könnte im Sinne des heutigen Tages auch sagen, im Annehmen deines eigenen Namens, bei dem Gott dich gerufen hat. Wenn Du das nächste Mal nicht weiterweißt, dann denke an den jungen Franz von Sales. Suche Dir einen Moment der Stille und vertrau Dich diesem Namen an, denn Maria erinnert uns, Du wirst gesehen. Du bist geliebt und Du bist gerufen – genau so, wie du bist.

  • September 11 · 70 hr

    Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Nine-eleven ist zu einem Synonym geworden. Nine-eleven meint den 11. September 2001. An diesem Tag, das sind schon sagenhafte 25 Jahre her, sind in den USA vier Flugzeuge entführt worden, um damit einen beispiellosen Terrorakt zu vollziehen: die Nutzung von Passagierflugzeugen als menschengesteuerte Angriffsmaschinen, um so viele Menschen wie möglich zu töten und quasi den USA den Krieg zu erklären. Und das in der unglaublich verqueren Logik von Osama bin Laden und Al Quaida – im Namen Gottes. Im Namen Gottes töten? Das widerspricht dem Empfinden von gläubigen Christen, die an einen liebenden und lebensspendenden Gott glauben. Ja, auch Christen haben im Laufe der zwei Jahrtausende im Namen Gottes getötet. Und wir sind bis heute beschämt darüber. Es gibt ein Wort, das seit vielen Jahren die Runde macht und das gut erklärt, worum es wirklich geht. Da heißt es: "Wenn Dein Gott Dir befiehlt zu töten, dann such Dir einen anderen Gott." In unserer heutigen Lesung steht genau das Gegenteil von machtvoller Demonstration von Überlegenheit und kriegerischer Kraft. Da steht im 2. Korintherbrief: "Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn, wenn ich schwach bin, dann bin ich stark." Der Briefschreiber macht deutlich: Nicht meine eigene Kraft soll mich leiten, sondern die Kraft, die von Gott kommt und von Jesus Christus. Und noch mehr, er sagt sogar ja zu aller Ohnmacht und allen Nöten und Verfolgungen, die er für Christus erträgt, weil dann die Kraft Christi in ihm wirken kann. Wer aber aus der Kraft Christi wirken will, wird tun, was Christus getan hat: den Armen beistehen, die Kranken pflegen, Kinder segnen, Trauernde trösten und allen Menschen das Reich Gottes verkünden. Dieser 11.9. kann uns helfen, darüber nachzudenken, was ich, was jede und jeder von uns im Namen Gottes tut und das wichtigste Gebot dabei keinesfalls zu vergessen: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.

  • September 10 · 61 hr 56 min

    Harte Zumutung in Jesu Auftrag / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Am Abend lese ich oft schon das Tagesevangelium des kommenden Tages und schaue nach, was mich darin anspricht. Beim heutigen Text aus dem Lukasevangelium dachte ich, eigentlich ist der gesamte Text so, dass er mich geradezu anspringt. Da gibt es so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Da heißt es: "In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.“ Das ist echt keine Anleitung für ein weichgespültes Wohlstandschristentum, sondern harte Zumutung in Jesus Auftrag – an alle, die an ihn glauben.

  • September 9 · 66 hr 6 min

    Ein paar Schritte gehen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Du kennst wahrscheinlich einen Activity Tracker? Vielleicht nicht unter diesem englischen Begriff. Im Deutschen ist das schlicht und einfach auch ein Schrittzähler. Die App auf dem Handy installiert, mit ein paar Daten versehen und immer in der Tasche parat, zählt er vom Aufstehen an alle Schritte, die ich so gehe. Irgendwann war mir klar, ein bisschen mehr Bewegung wäre sicher nicht so schlecht, wenn ich viel am Schreibtisch sitze und es ist da natürlich ziemlich reizvoll, sich ein Ziel zu setzen. Also die Marke bei 5.000 Schritten gesetzt und los. Und dann merke ich, dass die ganzen Morgenrituale wie Frühstück machen, Laudes in der Kapelle beten, Frühstücken, die ersten Sachen im Haushalt machen schon einige hundert Schritte sind. Und dann schnell zum Einkaufen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß, den Brief nicht mitgeben, sondern zum Briefkasten laufen, eine Runde spazieren gehen mit einer unserer alten Mitschwestern und noch eben in die Pfarrkirche gehen und ein paar Minuten verweilen und schon sind 5.000 Schritte erreicht. Und mitten in meiner Schrittzähleuphorie ist mir dann die Frage eingefallen: Wie viele Schritte mache ich eigentlich bewusst zu meinem Nächsten hin? Gehe ich mal eben eine Meile mit jemandem mit, der es gerade braucht? Bei einer Abendrunde durch die Stadt fällt mir auf, wieviel leichter es ist, abends kurz stehen zu bleiben und zu plaudern, einander zuzuhören oder einen Umweg mit zu laufen, weil gerade ein gutes Gespräch zustande gekommen ist. Mit einer indischen jungen Familie habe ich mich lange über die Tücken der deutschen Sprache unterhalten und habe ihnen nebenbei erklärt, warum gerade so viel Sperrmüll an den Häusern liegt, der am nächsten Morgen abgeholt wird. In einer Nebenstraße saßen fünf ältere Herren Pfeife rauchend auf einer Bank vor dem Haus und der Duft hat mich an den Pfeifentabak meines Vaters erinnert. Ich bin stehengeblieben und habe das erzählt und schon waren wir in der schönsten Plauderei. Es ist eine ziemlich gute Idee, vieles zu Fuß zu machen. Es tut der Gesundheit gut, man bekommt viel mehr zu sehen und zu hören, wenn man gemächlich geht, man trifft ganz andere Leute und man sieht ganz andere Dinge. Wenn es möglich ist, geh heute mal eine Runde und tu Dir an Leib und Seele etwas Gutes. Auch ganz ohne Activity Tracker.

  • September 8 · 70 hr 50 min

    Streitfall Maria / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Maria ist zum Streitfall geworden. Erst Maria 2.0 als Titel für eine hervorragende Fraueninitiative, die um die Gleichberechtigung von Frauen in unserer Kirche kämpft und als Antwort darauf Maria 1.0, die besagt, dass die Gottesmutter kein Update braucht und so verehrt werden kann wie immer. Hm. Und nun? Wenn ich darauf schaue, wer dieses junge Mädchen war, das in dem Glauben aufgewachsen ist, dass ein jüdisches Mädchen den Messias zur Welt bringen wird, die zu dieser Ungeheuerlichkeit der Verkündigung durch den Engel ja gesagt hat, obwohl sie genau wusste, dass sie dafür gesteinigt werden könnte, dann sehe ich keine stumme, liebliche, demütige und im stillen Kämmerlein lebende Frau, sondern einen Ausbund an Mut und Courage. Wer sich in der damaligen patriarchalischen Gesellschaft als Frau zutraut, mehr auf Gott als auf die Menschen zu hören, hat mehr als Mut. Sie hat ein Gottvertrauen, das über den Tod hinausgeht. Und wenn man ihr Gebet liest, das wir als Magnificat kennen und das sie beim Besuch ihrer Base Elisabeth jubelt, dann kann man nicht nur zwischen den Zeilen eine sehr offene Gesellschafts- und Religionskritik heraushören. Sie preist Gott, der auf sie als nichtsbedeutende Frau ihrer Zeit schaut, und weiß schon da, dass man in Jahrhunderten und Jahrtausenden von all den männlichen Herrschern kaum noch etwas wissen wird, aber sie selbst von allen gepriesen werden wird. Sie weiß, dass Gott auf alle schaut, die als niedrig und nichtssagend in Welt und Kirche gelten, und dass er die hochhebt, die vor ihm Achtung haben. Sie ahnt, dass Gott die Hochmütigen in alle Winde zerstreut, weil er alle Machthaber, egal welcher Couleur, von ihren Thronen stürzen wird. Denen, die nach Ihm und seiner Gerechtigkeit hungern, wird er beschenken, und die, die glauben alles zu besitzen, werden mit leeren Händen dastehen. Eine solche Frau, die aus der Kraft des Heiligen Geistes so leben und beten und mit ihrem Sohn bis unters Kreuz gehen wird, ist es mehr als wert, sie zu beachten und zu feiern und als Vorbild für Frauen und Männer in unserer Kirche zu sehen.

  • September 7 · 76 hr 40 min

    Tue trotzdem das Gute / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium wird eine interessante Szene beschrieben. Die Pharisäer suchen nach Möglichkeiten, etwas gegen Jesus zu unternehmen, weil er ihnen und ihren Überzeugungen unbequem geworden ist. Aber Jesus hat etwas ganz anderes im Sinn. Ihm geht es um die Heilung eines Kranken und nicht um die Erfüllung von Gesetzen, die über dem Leid der Menschen stehen. Und dann heißt es, dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zugrunde gehen zu lassen? Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus. Er tat es und seine Hand war wieder gesund. Da wurden sie von sinnloser Wut erfüllt und berieten, was sie gegen Jesus unternehmen könnten. Also, auf die Frage, was ist am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, haben die Umstehenden keine Antwort gegeben, obwohl jede und jeder die Antwort weiß. Es geht immer darum, Gutes zu tun und ebenso immer darum, das Böse nicht zu tun. Und als Jesus den Kranken geheilt hat, sind sie von sinnloser Wut erfüllt und beraten, was sie gegen ihn unternehmen können. Es gibt einen Text von Mutter Teresa, der genau das beschreibt und zum „Trotzdem“ aufruft. Sie sagt: Die Menschen sind unvernünftig, irrational und egoistisch. Liebe diese Menschen trotzdem. Wenn du Gutes tust, werden dich die Menschen beschuldigen, dabei selbstsüchtige Hintergedanken zu haben. Tue trotzdem Gutes. Wenn du erfolgreich bist, gewinnst du falsche Freunde und wahre Feinde. Sei trotzdem erfolgreich. Das Gute, das du heute getan hast, wird morgen schon vergessen sein. Tue trotzdem Gutes. Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar. Sei trotzdem ehrlich und offen. Die Menschen bemitleiden Verlierer, doch sie folgen nur den Gewinnern. Kämpfe trotzdem für ein paar von den Verlierern. Woran du Jahre gebaut hast, das mag über Nacht zerstört werden. Baue trotzdem weiter. Die Menschen brauchen wirklich Hilfe. Doch es kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du ihnen hilfst. Hilf diesen Menschen trotzdem. Gib der Welt das Beste, was du hast, und du wirst zum Dank dafür einen Tritt erhalten. Gib der Welt trotzdem das Beste. Letztendlich ist dann alles eine Angelegenheit zwischen dir und Gott. Sowieso war es nie eine Angelegenheit zwischen dir und anderen.

  • September 6 · 72 hr 30 min

    Für Gott ist jeder Mensch kostbar / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Ich war in den Sommerferien wandern. Und dabei überquerte ich auch die ein oder andere Alm. Es war einfach nur schön, zwischen den Kühen umherzuwandern und die Sonne im Gesicht zu spüren. Die Beine schon etwas schwer vom Aufstieg. Aber dieses Klingeln der Kuhglocken – beruhigend und irgendwie erdend im Ohr. Und da hab ich nochmal gespürt, wie schön und wunderbar entspannend diese Kühe sein können. Und ich musste an die ein oder andere Bibelgeschichte denken, die mich inzwischen ehrlich gesagt nur noch zum Gähnen bringt. Wenn es wieder um Hirten geht. Um Schafe. Um Vieh. Dann hat das oft so gar nichts mit meinem Alltag zu tun, denke ich. Dann langweilt es mich manchmal. Oder es nervt mich sogar. Denn ich will nicht das dumme Schaf sein, das sich verirrt und gefunden werden muss. Aber da oben auf der Alm habe ich es plötzlich ein bisschen besser verstanden. Vielleicht sogar gespürt. Schon beim Aufstieg kam uns ein Schäfer entgegen. Mit einer riesigen Schafherde und mindestens drei Schäferhunden. Ich war so mit dem Aufstieg beschäftigt, dass ich erst gar nicht richtig kapiert habe, dass da neben mir eine Unmenge an Schafen über Stock und Stein hüpfte. Und irgendwann dachte ich: Wie kostbar müssen diese Tiere eigentlich für diesen Schäfer sein? Sie sind sein Lebensunterhalt. Seine Lebensversicherung. Vielleicht ein großer Teil seines Lebens. Und für mich? Für mich waren sie in diesem Moment einfach nur beeindruckend und wunderschön. Ich dachte nicht: „Was für dummes Vieh.“ Und vielleicht habe ich genau da für einen kurzen Moment verstanden, was diese alten Bilder der Bibel eigentlich erzählen wollen. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass ich das dumme Schaf bin. Vielleicht geht es darum, dass ich kostbar bin. So kostbar, dass es eben nicht egal ist, wenn ich verloren gehe. So kostbar, dass jemand nach mir schaut. So kostbar, dass einer mich nicht einfach zurücklässt. Da oben auf der Alm, zwischen Kuhglocken, schweren Beinen und einer riesigen Herde Schafe, habe ich für einen kurzen Moment verstanden, wie kostbar du und ich für Gott sein könnten. Und plötzlich fand ich diese alte Geschichte gar nicht mehr so langweilig.

  • September 5 · 63 hr 3 min

    Gott nimmt mir den Weg nicht ab / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac

    Im Sommer laufe ich gerne barfuß. Ich mag das Gefühl von warmem Asphalt oder frisch gemähtem Gras unter den Füßen. Im Urlaub passiert mir das ständig. Schuhe aus. Einfach loslaufen. Irgendwie fühlt sich das nach Freiheit an. Jetzt sind die Ferien vorbei. Für viele hat das neue Schuljahr begonnen. Für manche ist es einfach die nächste Klasse. Für andere beginnt etwas ganz Neues: eine neue Schule, neue Mitschüler, neue Lehrer. Oder überhaupt das erste Mal Schule. Und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was dieses Schuljahr für mich bereithält. Wem ich begegnen werde. Welche Gespräche mich erwarten. Was gelingt und woran ich wachsen muss. Vielleicht fühlt sich jeder Neubeginn ein bisschen an wie barfuß laufen. Barfuß spürt man jeden Stein. Man merkt sofort, wenn der Weg uneben wird. Das macht verletzlich. Gleichzeitig nimmt man den Boden viel bewusster wahr. Man läuft anders. Aufmerksamer. Natürlich könnte ich auch dicke Sicherheitsschuhe anziehen. Die schützen. Aber sie machen die Schritte schwer. Und manchmal habe ich den Eindruck, wir ziehen uns im übertragenen Sinn genau solche Schuhe an. Wir wollen nichts falsch machen. Niemandem wehtun. Bloß nicht stolpern. Bloß nicht auffallen. Ich merke das bei mir selbst. Dabei beginnt ein neuer Weg selten damit, dass ich schon alles weiß. Er beginnt mit einem ersten Schritt. Und dann muss ich mich morgens tatsächlich entscheiden, welche Schuhe ich anziehe. Bequeme Sneaker? Etwas Festliches? Oder Wanderschuhe? Je nachdem, was der Tag von mir verlangt. Vielleicht ist das gar kein schlechtes Bild für den Glauben. Gott nimmt mir den Weg nicht ab. Aber er lädt mich ein, ihn zu gehen. Mal mutig. Mal vorsichtig. Mal leichtfüßig. Und manchmal eben auch barfuß. Ich wünsche mir, dass ich etwas von dieser Leichtigkeit des Sommers mit in den Alltag nehme. Nicht, weil das Leben immer leicht wäre. Sondern weil ich darauf vertraue, dass Gott jeden meiner Schritte kennt – auch die vorsichtigen. Auch barfuß.

  • September 4 · 70 hr 50 min

    Mit Hass und Hetze kann man kein Land regieren / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Ich bin unruhig und nervös und ein bisschen ängstlich und verwundert und will trotzdem nicht hoffnungslos sein. Am Sonntag ist die Wahl in Sachsen-Anhalt und viele Menschen sind besorgt, dass eine undemokratische Partei scheinbar so viele Menschen überzeugt, dass sie eine gute Wahl wäre. Ich bin aus Thüringen und bekomme auch mit, wie schwierig es ist, zwischen dem lauten Gebrüll der wenigen und deren fremdenfeindlichen Gebaren all die vielen zu sehen und zu hören, die nicht so sind und die sich kümmern um eine freie und vielfältige Gesellschaft. Alles Für und Wider ist in den letzten Monaten hinlänglich besprochen und von allen Seiten angeschaut worden und ich war zwischendurch immer wieder entsetzt, wie, was, wer ganz ungestraft herumbrüllen kann und wie viele Menschen dann johlen und klatschen und gar nicht zu merken scheinen, welchen gefährlichen Leuten sie da auf den Leim gehen. Aber mit Hass und Hetze und populistischen Parolen kann man kein Land regieren. Und so mag ich bei aller Sorge in diesen Tagen vor dieser Wahl ein Gebet mit dir beten, das schon mehr als 110 Jahre alt und aktueller denn je ist: Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist; dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzündete, wo Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt. Herr, lass mich trachten nicht nur, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht nur, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehen; nicht nur, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe. Denn wer sich hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen; und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

  • September 3 · 75 hr 16 min

    Knecht der Knechte / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Er oder sie waren ganz Große in ihrer Zeit, ganz früher oder auch heute.Es gibt einige Menschen, denen haben über die Jahrhunderte Menschen den Titel: der oder die Große verliehen und Gregor war einer von ihnen.Er war Diplomat, Politiker, Mönch und dann der erste Mönchspapst der Geschichte, galt als genialer Krisenmanager, hat Europa ein neues Gesicht gegeben, war ein umtriebiger Briefeschreiber, (allein 850 von ihnen sind erhalten) er hat die Versorgung der Armen nach einer Überschwemmungskatastrophe im pestgeplagten Rom krisenfest umorganisiert, und die Liturgie neu geprägt. Von den Menschen seiner Generation wird er bald Gregor der Große genannt. Sich selber aber bezeichnet er ganz anders: Knecht der Knechte Gottes. In einem Brief, den er 39 Missionaren, die er zu den Angelsachsen auf die Insel gesandt hat, schreibt er: „Weder die Beschwerlichkeiten der Reise, noch das Gerede der Leute soll euch also abschrecken, sondern vollendet mit aller Anstrengung und aller Begeisterung, was ihr auf Gottes Antrieb begonnen habt.“ Seit dieser Zeit bis in die nächsten drei Jahrhunderte werden viele tausend Missionare und Wanderprediger nach Europa kommen und Religion, Bildung, Schrift, Verwaltung, Kunst und Kultur des Kontinentes entscheidend prägen. Wenn ich in solchen Lebensbeschreibungen lese, bin ich immer sehr erstaunt, was ein einzelner Mensch mit zunächst ruhigem Studium, dann einem energischen Umschwung in seiner Lebensweise und mit der ihm durch Wahl verliehene Macht erreichen und über Jahrhunderte zum Positiven prägen kann. Mir scheint sein Wort vom „Knecht der Knechte Gottes“ ein Synonym für sein Verständnis von Leitung und Leben im Allgemeinen: ich verstehe meine Arbeit als Dienst, erledige meine Aufgaben in bester Weise, schaue mit Neugier und Eifer in die Heilige Schrift, damit sie mir Ideen für das Zusammenleben der Menschen gibt und verstehe alles, was ich tue als Dienst an den Menschen. Und da bekommt das auch für mich Hand und Fuß und ist geeignet für alle, die nach Orientierung suchen für den Alltag und das normale Leben heute.

  • September 2 · 77 hr 13 min

    Nicht schweigen oder wegsehen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina

    Eine junge Frau macht eine Ausbildung zur Krankenschwester und ist im dritten Jahr. Sie hat eine mündliche Zwischenprüfung und ist tagelang unruhig und aufgeregt, lernt viel und gönnt sich kaum Ruhe. Und jede und jeder von uns kann sich aus eigenem Erleben vielleicht daran erinnern. Und bevor sie losfährt, bittet sie darum, gesegnet zu werden, damit sie mit Gottes Segen in die Prüfung gehen kann. Und dann kommt sie strahlend wieder und ich brauche gar nicht zu fragen. Sie hat bestanden, mit Note 1,1. Ich habe unglaublich viel Achtung und Ehrfurcht vor ihr und vielen jungen Leuten, die hier eine Ausbildung machen und vorher erst die Sprache lernen mussten und dann noch, wie in diesem Fall, die vielen oft lateinischen Fachbegriffe. Und meine Beispielfrau ist indische Ordensfrau einer anderen Gemeinschaft, die seit drei Jahren mit uns im Konvent lebt. Und wir leben zusammen und beten, und kochen und essen und feiern und spielen und putzen und waschen und machen alles zusammen, was das Leben ausmacht. Und wir lernen unendlich viel voneinander von der je anderen Kultur und Familientradition, von den anderen Kochkünsten und Traditionen und auch von der jeweils anderen geistlichen Prägung unserer Ordensgemeinschaften. Es ist ein Geben und Nehmen und ein Zusammenhalt, der gut tut. Und nein, sie ist nicht Nutznießerin des Gesundheitssystems, wie der Bundeskanzler kürzlich gegenüber einer Kinderärztin behauptet hat, sondern jemand, die sich, wie viele Hundertausende auch, für Kinder, Kranke und alte Menschen einsetzt und ihr Herzblut, ihre Kraft und Intelligenz einsetzt, um sie zu pflegen und zu unterstützen, in allem, was sie brauchen. Für die Gebetszeiten im Stundenbuch gibt es immer wieder Vorschläge, worum wir beten können. Und heute ist einer der Vorschläge: „Unser Tagewerk sei dir geweiht; - gib, dass wir nichts Böses tun und kein Unrecht gutheißen.“ Nichts Böses tun wollen, ist bei den meisten Menschen die normale Gewissensentscheidung und durch Erziehung und Bildung grundgelegt. Aber die Bitte, uns dabei zu helfen, dass wir kein Unrecht gutheißen, wird immer wichtiger. Das schweigende Hinwegsehen über vieles, was Unrecht ist, ist nicht christlich und bleibt eine Daueranfrage für jede und jeden Christen heute.

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