
Nicht Fußabdruck, sondern Handabdruck: Wie Mitarbeitende Unternehmen von innen verändern – mit Prof. Dr. Babette Brinkmann
Den ökologischen Fußabdruck kennt jeder. Weniger bekannt ist, woher er kommt: Populär gemacht hat den persönlichen Fußabdruck 2004 der Öl- und Gaskonzern BP, gemeinsam mit seiner Werbeagentur, und damit wanderte die Verantwortung vom Unternehmen zum Verbraucher. Babette Brinkmann dreht es um. Ihr Thema ist der Handabdruck: nicht, was jemand privat verbraucht, sondern was er oder sie im Job tatsächlich durchsetzt. Und ihre Forschung zeigt, dass ein erheblicher Teil der Veränderung in Unternehmen genau dort beginnt, bei Menschen ohne formalen Auftrag. Für eine Geschäftsführung ist das manchmal eine unbequeme Nachricht. Denn was von unten wie Engagement aussieht, sieht von oben wie Kontrollverlust aus. Genau darüber haben wir u.a. gesprochen: Denn wo endet Eigeninitiative, und wo beginnt ein Governance-Problem? Unser Gast ist Prof. Dr. Babette Julia Brinkmann, Professorin für Organisations- und Gruppenpsychologie an der Technischen Hochschule Köln und seit 1997 Organisationsberaterin und Coach, unter anderem für Allianz, Audi, Deutsche Lufthansa und Deutsche Telekom, für NGOs und für mittelständische Unternehmen. Gemeinsam mit Barbara Kump (University of Twente) hat sie „The Green Handprint at Work: How to Be an Employee Activist for Sustainability" geschrieben (Bristol University Press, 2026). Ein Gespräch über den Aktivisten, der Folien in fremde Präsentationen schmuggelt, über den Abteilungsleiter, der Beschlüsse absichtlich vage protokollieren lässt, über Allianzen, sichtbare erste Erfolge und die Erkenntnis, dass Wirksamkeit immer ein Risiko einschließt, und über die Frage, warum Veränderungsinitiativen seltener am Widerstand scheitern als am eigenen Tempo. Key Takeaways ✅ Der Handabdruck ist die Führungsgröße, nicht der Fußabdruck. Was ein Einkauf, ein Controlling oder eine Schichtleitung entscheidet, wiegt schwerer als das private Konsumverhalten derselben Person. ✅ Aktivismus beginnt einen Schritt hinter der eigenen Befugnis. Wer im Rahmen seiner Rolle entscheidet, ist Führungskraft. Wer den Rahmen dehnt, macht sichtbar, wo eine Entscheidung fehlt. ✅ Grauzonen sind eine Strategie, keine Panne. Themen vage ins Protokoll bringen, dann Fakten schaffen und dokumentieren: ein beschreibbares Vorgehen. Wer es kennt, kann es nutzen statt es zu bekämpfen. ✅ Wirksamkeit heißt Risiko. Wer etwas verändert, riskiert etwas und die andere Seite erlebt Kontrollverlust. Beide Kräfte sind normal; entscheidend ist, ob eine Organisation sie bearbeitet oder verdrängt. ✅ Der häufigste Fehler ist Tempo, nicht Feigheit. Zu schnell zu viel wollen und zu früh alles transparent machen ist laut Forschung zum Minderheiteneinfluss der sicherste Weg, ausgegrenzt zu werden. ✅ Daten schlagen Überzeugungsarbeit. In einem Fall lag der größte Anteil des Fußabdrucks nicht in der Produktion, sondern in der Nutzung der Produkte – und in den Finanzanlagen. ✅ Leitbilder sind Hebel, nicht Dekoration. Freigegebene Papiere kosten nichts, lassen sich aber zitieren. Genau deshalb wirken sie. Kapitel(00:00) Begrüßung und Vorstellung(02:49) Die These: Fußabdruck misst Schuld, Handabdruck fragt nach Wirkung(06:07) Vom Buch zum Handabdruck im eigenen Job(14:04) Wo Aktivismus beginnt – und warum der Begriff bleibt(17:16) Grauzonen und die Governance-Frage(24:02) Der Aktivist und die Folien(28:59) Erfolgsfaktoren: Allianzen, kleine Erfolge, Daten(34:30) Das große Wicked Problem: Wachstum(41:06) Transformation von oben und der häufigste Fehler(46:52) Hoffnung als Arbeitsbegriff – und der Schluss Shownotes & Links - „The Green Handprint at Work" (Kump/Brinkmann, Bristol University Press 2026): 25% Discount unter www.bristoluniversitypress.co.uk/signup - Rebecca Solnit, „Hope in the Dark" - Christian Stoecker, „Männer, die die Welt verbrennen" - Prof. Dr. Babette Brinkman LinkedIn - Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich LinkedIn - Dr. Martin Bethke LinkedIn - Butterfly Effect Consulting GmbH | Strategie- und Unternehmensberatung für den deutschen Mittelstand


















