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Artwork for Pension Alcatraz
ComedySociety & CultureExplicit

Pension Alcatraz

Dietmar Wischmeyer und Tina Voß

Pension Alcatraz

Wir (Tina Voß und Dietmar Wischmeyer) möchten mit unserem vierzehntägigen Podcast unsere Hörer auf eine Weise unterhalten, die sie woanders selten finden: anarchisch und zur Not auch mal intelligent - muß aber nicht sein. Unsere Themen gehen quer durch die Gesellschaft, von Freizeitvergnügen bis Philosophie, von oben bis unten - ja auch „untenrum“ scheuen wir nicht, jedes kalte Eisen noch mal aufzuwärmen. Unser besonders Anliegen ist es, alle Hörer jederzeit über den Pegelstand der Harzer Talsperren zu informieren. Partnerstädte des Podcasts sind Salzgitter, Salzderhelden, Svalbard und Jan Mayen. Sollte sich dort etwas Interessantes tun, seid ihr die ersten, die davon erfahren. Da dies meist nicht der Fall ist, reden wir über uns selbst, alle anderen, was gerade so anliegt oder auf dem Teller. Sowohl Tina als auch Herr Wischmeyer sind unbarmherzige Anhänger des maskulinen Feminismus und der ovovegetabilen Küche mit leicht canivorischen Einschlägen, auch darüber lassen wir die Hörer nicht im Unklaren. Wer zudem noch ungefragt darüber informiert werden möchte, was die Gnus in der Serengeti so treiben, wenn der Löwe seine Elternzeit nimmt oder warum Dampfloks mit Speisewasservorwärmer sich nicht durchsetzen konnten, ja der ist bei uns auch richtig – und noch besser, er wird davon kaum noch belästigt, weil wir das in unserem Vorgängerpodcast „Wischmeyers Stundenhotel“ schon bis kurz vorm Kuchen-Erbrechen sieben lange Jahre diskutiert haben. Hat das euer Interesse geweckt, dann laden wir euch ein, jeden ersten und dritten Sonntag im Monat unsere Gäste zu sein: Pension Alcatraz – wir halten dich fest.

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  • 17 episodes
  • fortnightly
  • Avg 56 min
  • German
  • #16
    Today · 1 hr 23 min

    #16 In 80 Minuten bis nach Afrika

    In der sechzehnten Sitzung der Pension Alcatraz nehmen sich Tina Voß und Dietmar Wischmeyer vor, in achtzig Minuten die Welt abzuarbeiten: jedes Land, in dem mindestens einer von beiden war, und dazu die eine Sache, die hängen geblieben ist. Weit kommen sie nicht. Nach Asien und Afrika ist die Zeit herum, der Rest folgt im zweiten Teil. Vorher sind noch ein Cashew-Joghurt, eine insolvente Fähre, ein Klassentreffen nach fünfzig Jahren und ein Besuch der internen Revision zu erledigen. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Die Folgennummer und der Satz für alle Fälle: Tina hatte recht, es ist Folge 16, nachdem alle es besser wissen wollten und auf 17 umgeschrieben hatten. Danach der wichtigste Satz, den man laut Dietmar überhaupt kennen muss, wenn eine Exekutivmacht an einen herantritt. Er funktioniert allerdings nur in Rechtsstaaten und nicht als Gesprächseinstieg in der Kfz-Zulassungsstelle. • Talsperren mit eigenem Kanal: Ein Hörer betreibt inzwischen einen eigenen Instagram-Account für die Füllstände. Der Mittelwert liegt bei 46 Prozent, bei 63 sollte er sein. Außerdem stellt sich heraus: Der Fährverkehr an der Okertalsperre wurde nicht wegen des Wasserstands eingestellt, sondern wegen Insolvenz. Und Wischhafen-Glückstadt hat vier Fähren, worüber Dietmar eine eigene Theorie entwickelt. • Cashew-Joghurt und Bügelflaschen: Die Schwarzkohlsuppe wurde vergessen, die Udon-Erdnusspfanne auch, geblieben ist ein Zucchini-Lemon-Cake und ein fermentierter Cashew-Joghurt, den Dietmar für etwas anderes hielt, bevor er ihn probierte. Dazu die Erkenntnis, dass Tinas gesamte Küche aus Cashew, Banane und Kichererbsen besteht. Und die Frage, warum man leere Flaschen bei Kleinanzeigen kauft, statt einfach eine Kiste Bier auszutrinken. • Live-Termine und 200.000 Downloads: Am 3. Oktober um 19 Uhr im Glückaufsaal in Clausthal, gegenüber der blauen Kirche, mit den Shirts exklusiv vor Ort. Am 16. Dezember der Jahresrückblick im großen Sendesaal des RBB in Berlin, am 6. Januar die Jahresvorausschau in der Osnabrückhalle, verlegt aus Bremen, weil Dietmar als amtierender Grünkohlkönig von Osnabrück in seiner Legislaturperiode sonst wenig gerissen hat. • Partnergefängnis JVA Stadelheim: Die Frauenabteilung, die Tina im Rahmen einer Tagung selbst besichtigt hat, und die bei Google genau einen Stern hat. Dazu das, was ihr wirklich nachging: dass Kinder, die drinnen geboren werden, irgendwann raus müssen, und dass sie draußen vor jeder Tür stehen bleiben, weil sie es nicht anders kennen. Offene Frage an die Hörerschaft: Hängen in deutschen Gefängnissen eigentlich Fluchtwegpläne? • Fünfzig Jahre Muppets: Dass der amerikanische Schöpfer die Serie ausgerechnet in Großbritannien produzieren ließ, und dass Kermit 1955 aus dem alten Mantel seiner Mutter entstand. Dietmar hat sie nie gesehen, war 1976 bei der Bundeswehr und überlegt rückblickend, ob der Unteroffizier den Anschiss für die Muppet Show vertagt hätte. • Die innere Revision: Bei Dietmar hat sich die interne Ermittlung gemeldet. Was hier so erzählt werde, könne man in der Öffentlichkeit nicht bringen, einer von beiden müsse gehen und werde ersetzt. Wer, wurde noch nicht gesagt. Dass sie zuerst bei ihm waren, hält Dietmar für ein Zeichen, ist sich aber nicht sicher, für welches. • Fünfzig Jahre Klassentreffen: Tina war in Gittelde und konnte bis auf zwei alle beim Namen nennen, nach fünfunddreißig Jahren. Es gab Schluckimpfungen, eine Gemeindeschwester auf Läusesuche und genau einen Ausländer in der Klasse. Eine ist nicht gekommen, weil sie als Kind gemobbt wurde, was Tina nachhaltig beschäftigt hat. • Asien in Stichworten: Dietmar in Moskau zu Gorbatschows Zeiten, wo ein Mitreisender aus der studentischen Reisegruppe im obersten Stock an die falschen Leute geriet und nicht mehr zurückkam. Tina dreimal in Russland, einmal mit Hannover 96 bei minus 26 Grad im Europapokal, einmal per Containerschiff von St. Petersburg nach Hamburg, was sie zum Heulen fand, als sie wieder runter musste. Da

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  • #15
    September 5 · 1 hr 12 min

    #15 Ein Freund, ein guter Freund

    In der fünfzehnten Sitzung der Pension Alcatraz geht es um Freundschaft, angeregt von einem Hörer, der wissen wollte, wo Tina Voß und Dietmar Wischmeyer sich eigentlich kennengelernt haben. Die Antwort kommt tatsächlich, sie lautet: am Buffet. Bis dahin sind allerdings noch die nachgereichten Talsperrenstände, ein eingestellter Fährverkehr, ein interstellarer Muffin und die Frage abzuarbeiten, warum jemand Bodys mit Druckknöpfen erfunden hat. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Talsperren, nachgereicht: Tina hat sie beim letzten Mal vergessen und dafür auf Instagram Schimpfe bezogen. Der Mittelwert liegt bei 52 Prozent, acht unter dem, was die Jahreszeit hergeben sollte. An der Okertalsperre wurde außerdem der Fährverkehr eingestellt, was Dietmar zu dem Vorschlag bringt, die Fähre einfach nach Glückstadt-Wischhafen zu verlegen, wo ohnehin immer alle warten. • Kopulative Annäherungsmusik: Dietmar korrigiert sich, er hat als Jugendlicher nie Barclay James Harvest gehört. Seine eigene Annäherungsmusik war „Je t'aime“. Es folgt eine kleine Sammlung dessen, was heute als Gesprächseinstieg durchgeht, alles unterhalb der Gürtellinie und weit unterhalb des Niveaus. • Der Body und die High Heels: Warum konstruiert man ein Kleidungsstück, das an der empfindlichsten Stelle mit Druckknöpfen geschlossen wird? Tina weiß, wie das ausgeht, wenn man im falschen Moment lacht. Bei den High Heels stehen zwei Theorien gegeneinander: Dietmar hält sie für einen erotischen Anblick, Tina für eine Erfindung, die verhindern soll, dass Frauen weglaufen können. • Der interstellare Muffin: Es gibt einen zuckerfreien Bananen-Heidelbeer-Muffin, den Dietmar als Meteorit aus einem veganen All beschreibt, und danach eine echte Kalorienbombe mit richtiger Schokolade und Erdnussmus. Die Reihenfolge war vorgeschrieben. Dietmar stellt fest, dass „gesund“ durch Tina zu einer pejorativen Vokabel geworden ist. • Partnergefängnis Festung Wilhelmstein: Die Insel im Steinhuder Meer, gebaut zur Verteidigung von Schaumburg-Lippe, nie eingenommen, für Kanonen zu weit weg und für Boote zu flach. Napoleon schreckte zurück, Scharnhorst wurde dort ausgebildet, danach war sie achtzig Jahre Staatsgefängnis. Heute darf man dort heiraten, was Dietmar vor bald zwanzig Jahren getan hat, ausdrücklich wegen der Symbolkraft. • Hörerpost: Dirk macht auf die Hirschlausfliege aufmerksam, die sich in den Körper bohrt und die Flügel abwirft. Peter denkt beim Niedersachsen-Slogan „Das ist groß“ an etwas ganz anderes als an Pferde, woraus sich ein längerer Exkurs über Flachspüler, Tiefspüler und die korrekte Bezeichnung des Stuhlprobenentnahmesets entwickelt. Und Thorsten hat in Großbritannien vor einem Ortsschild gebremst: Swindon ist Partnerstadt von Salzgitter. • Die Bielefelder Schule: Dietmar hat einst in einem renommierten Kochbuchverlag gearbeitet und dabei gelernt, wie man Essen fotografiert, weiße Teller, keine Muster, von unten durch leere Teller. Und wie Bücher gemacht werden, wenn ein neuer Sponsor kommt: alle Töpfe raus, alles noch mal durchfotografieren. • Die Kaffeetafel im Wald: Ein Kreis von Freunden nimmt sich einmal im Jahr vor, etwas völlig Sinnloses zu tun. Diesmal eine komplett gedeckte Kaffeetafel mitten im Wald, mit Leinendecke, Porzellan und Hussen über den Stühlen, damit fremde Leute ohne Terminabsprache ins Gespräch kommen. Manche huschten scheu vorbei, weil sie nicht stören wollten. • Freundschaft, historisch: Bei den Griechen Zweckgemeinschaft, bei den Römern politische Weggefährten, und erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden Freundschaften außerhalb des Hauses gepflegt, in Salons. Aristoteles nannte es eine Seele in zwei Körpern, was Dietmar zu der Frage bringt, wo bei zwei Leuten das Gemeinsame liegt, von denen einer keinen Charakter und der andere keine Tugend hat. • Männer- und Frauenfreundschaften: Ein Mann besucht einen Kumpel, dem gerade Frau, Wohnung und Arbeitsplatz abhandengekommen sind, und kommt nach drei Stunden zurück, ohne dass es zur Sprache kam. Dietmars Erklärung dafür ist zugleich seine These über den ganzen Unterschied. Dazu die Taxonomie der Freundesgrade, vom besten Freund über Kumpel, Buddy, Kamerad und Kommilitone bis zum rotarischen Freund und zur Brieffreundschaft. • Woran es scheitert: Geld, Verrat, geliehene Partner (Mindestabstand laut Tina fünfundzwanzig Jahre), Entfernung und Urlaubsbekanntschaften. Und die Auflösung der Ausgangsfrage: kennengelernt haben die beiden sich Ende der Neunziger bei einer Veranstaltung des Presseclubs im Zoo Hannover, Dietmar hielt die Rede, danach standen beide am Buffet. Am Ende steht die schönste Definition einer langen Freundschaft: dass man nach über fünfundzwanzig Jahren immer noch nicht versteht, worüber der andere eigentlich lacht.

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  • #14
    August 29 · 57 min

    #14 Frühstyxradio reloaded

    Eine Sonderfolge, weil im August drei Sonntage jeweils zwei Wochen auseinanderliegen und der Rhythmus nicht kaputtgehen soll. Wie schon beim ersten Mal im Mai öffnet Dietmar Wischmeyer das Archiv des Frühstyxradios, jener Radio-Witzesendung, die von 1988 bis 1996 lief und über 3000 Beiträge hinterlassen hat. Diesmal hat er sieben eher abseitige Folgen herausgesucht, keine Arschkrampen, kein Günther. Tina Voß übernimmt den Part der Interviewerin, Dietmar den des Befragten, der damals zu den Machern gehörte, während sie zu den Hörern zählte. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Sellerie, massiert: Tina hat einen ganzen Sellerieknollen zweieinhalb Stunden im Ofen gebacken, vorher mit Olivenöl und Meersalz einmassiert. Er wurde nicht größer, nur weicher. Daraus wurde eine Sellerie-Süßkartoffelsuppe, die Dietmar tatsächlich schmeckte, auch wenn Suppe für ihn eigentlich eine klare Flüssigkeit mit schwimmenden Teilen ist und alles andere Astronautennahrung. • Kichererbsen-Cookies und Zeckensaison: Zum Nachtisch gibt es eiweißreiche Cookies auf Kichererbsenbasis, das Rezept teilt Tina gerne. Außerdem hat Dietmar sich in diesem schlimmen Zeckenjahr eine Wanderröte eingefangen, was Tina zum Anlass nimmt, ihn wochenlang mikrobiomfreundlich gesundzuernähren. • Bad Oeynhausen Cops: Zwei Polizeibeamte suchen eine Büroklammer, während ein Sprecher sich um Kopf und Kragen brüllt. Die Karikatur zielte nicht auf die Serien selbst, sondern auf die Trailer, die mit dem Privatfernsehen über alle hereinbrachen. Der Sprecher musste denselben Text bei gleichbleibendem Musikbett immer schneller sprechen, bis er sich nach einer Aufnahme einen halben Tag erholen musste. • Isernhagen Law: Das Intro, das kultiger wurde als alle Folgen danach. Weil Radio nun einmal beschreiben muss, was man nicht sieht, wurde der Cast nicht mit Namen vorgestellt, sondern als Beschreibung: die Frau im avocadofarbenen Kostüm mit Blumenapplikation über der linken Brust, die nicht gerade klein ist. Dazu Geschworene, die im Beratungszimmer Eierlaufen gemacht und bekannte Melodien gepupst haben. • Die Fahrgemeinschaft: Kalle mit dem Mercedes, Gisela, der heimlich schwule Holgi und Jaroslaw, der eigentlich nur den Wagen klauen wollte. Das Gospel-Intro über die Insassenhaftpflichtversicherung entstand im Studio in unter zehn Minuten, improvisiert, weil ein Gospel zu einer Fahrgemeinschaft der größtmögliche Gegensatz war. Vorbild dafür waren die Italowestern, in denen die Musik auch nie passte. • Wie damals produziert wurde: Einmal im Monat trafen sich alle, dann wurden gleich zwanzig Folgen aufgenommen. Jeder musste fünf schreiben, manche hielten heimlich welche zurück. Es wurde nichts redaktionell aussortiert, jede Folge war so viel wert wie jede andere, es musste Masse gemacht werden. • Megamarkt: Das Nachfolgeprojekt mit demselben Personal an einem neuen Arbeitsplatz, in der Boomzeit des In-Store-Radios. Hier entwickelt die Lautsprecherstimme erstmals eine eigene Persönlichkeit. Tina kennt daher das Lied „Ich fand mein Glück im Zug nach Osnabrück“, vor dem sie damals mit dem Einkaufswagen stehen blieb. • Bunkenstedter Heimatchronik: Eine Persiflage auf die heimatdudelnde NDR-Reportage, in der ein Dorf im Raddegau die größte Mittelpunkthauptschule des Landes bekommt. Deutschunterricht mit selbst organisierten Requisiten, ein Direktor mit dem Motto „Abschluss oder Abschuss“ und eine erstaunliche Erfolgsquote. • Plattengülle Housewives: Die Persiflage auf Desperate Housewives, in der Figuren aus allen möglichen anderen Serien auftauchen und ihre alten Rollen weiterspielen. Vorbild war auch ein Roman über einen Lohnschreiber, der so viele Novelas gleichzeitig schreiben musste, dass die Figuren durcheinandergerieten. Dazu Uschi, zu der sich bekanntlich nichts reimt, und die Geschichte, wie Mario Barth genau das schützen lassen wollte. • Erwin Höhnefeld und DJ Open Asshole: Der kontroverseste Beitrag des Abends, gesprochen von einem kanadischen Techniker des Senders, der als Muttersprachler entsprechend überzeugend klang. Vorweggenommener Gangsterrap inklusive absurder Künstlernamen und einer Ballade über zwei Augen auf einer Wiese. Am Ende wird der Programmdirektor erschossen, was Dietmar bis heute als Würdigung versteht.

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  • #13
    August 15 · 1 hr 21 min

    #13 Kennen wir uns?

    In der dreizehnten Sitzung der Pension Alcatraz, die Dietmar Wischmeyer zur Begrüßung vorsichtshalber als Folge 15 ankündigt, geht es ums Kennenlernen. Genauer: um das Kennenlernen zum Zwecke des Aneinander-Rumschraubens, angeregt durch einen Hörer, der wissen wollte, wie die beiden sich eigentlich gefunden haben. Beantwortet wird das natürlich nicht, dafür klären Tina Voß und Dietmar Wischmeyer die Muntehe des 10. Jahrhunderts, die erste Kontaktanzeige von 1695 und die Frage, ob man in der Tagespflege noch etwas werden kann. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Das Phantom-Verlustgefühl: Tina hat beim Führerscheintausch die Berechtigung für 18,5 Tonnen verloren, ohne sie je gebraucht zu haben, und trauert nun dem eingestellten Fährverkehr an der Okertalsperre hinterher. Dietmar geht es ähnlich mit dem geschlossenen Zollstockmuseum in Wiedensahl, drei Kilometer von zu Hause und nie besucht. • Gescheiterte Städte und Handball: Sennestadt und Espelkamp als Kunststädte mit Denkmalschutz, dazu die Frage, warum Handball eine Sportart für Mittelstädte ist. Tinas Argument: es fällt jede Minute ein Tor, und wer hinfällt, steht auf und schreit nicht nach dem Videobeweis. • Rote Beete im Salzbett: Tinas Kochausbildung wird anspruchsvoller, heute gibt es geschmorte rote Beete auf einem Kimchi-Cashew-Dip mit Apfel-Pilz-Zwiebel-Schmand. Dietmars Verdikt: ein typisches Gericht für eine Tradwife mit zu viel Tagesfreizeit. • Partnergefängnis San Pedro: Das selbstverwaltete Gefängnis in La Paz, aufgebaut wie eine Kleinstadt mit acht Vierteln, eigenem Immobilienmarkt und rund 2000 Bewohnern. Bis 2009 gab es Führungen für 100 Euro. Der Autor von „Marching Powder“ bestach einen Wärter, um dort monatelang selbst einzusitzen und zu recherchieren. • Hörerpost, Shirts und ein Aufkleber: Ein Hörer möchte ausdrücklich keine Außenaufnahmen mehr. Dafür kommt das Clausthal-Zellerfeld-Shirt in den Online-Shop, die Farbfrage ist noch offen, und für Wohnmobile gibt es künftig einen Aufkleber mit zwei grinsenden Gesichtern hinter Gitterstäben. • Die Hochzeit und die Hühner-Menagerie: Dietmar war bei einem Brautpaar Mitte 50, das feierte wie Anfang 30, samt Polonaise und vermutlich gemieteten Gästen aus den Zwanzigern. Höhepunkt war die persönliche Vorstellung sämtlicher Hühner der Braut, alle mit Namen. Als Hochzeitsreise empfiehlt Dietmar den Hühnerologischen Kongress in Görlitz. • Kennenlernen, historisch: Die Muntehe als Übertragung von Nutzungsrechten, die katholische Kirche, die den Individualismus nur befördert hat, um ans Erbe zu kommen, die Andreasnacht und 1695 die erste Kontaktanzeige, in der ein Herr von 30 Jahren eine Dame mit 3000 Pfund Vermögen sucht. Die erste Frau, die 1727 selbst inserierte, fand sich anschließend wochenlang in einer psychiatrischen Anstalt wieder. • Die Tyrannei der Auswahl: Früher hingen vier Hosen in der Boutique, heute vierzig im Kaufhaus. Beim nächsten Wischen kommt immer noch eine Bessere, weshalb niemand mehr zufrieden ist. Und die Disco war ohnehin nie ein Kennenlernort, sondern Lieferant von Bekanntschaften, die im Tageslicht keinen Bestand haben. • Homogamie und Ehegattensplitting: Der Oberarzt heiratet heute keine Krankenschwester mehr, sondern eine andere Oberärztin. Die Klassendurchmischung geht dahin, und der Genpool bleibt unter sich. • Anmachsprüche in drei Schwierigkeitsgraden: Vom Klassiker an der Hotelbar über „Wo hast du nur mein ganzes Leben gesteckt“ bis zu Dingen, die man besser nicht zitiert. Tinas erprobte Ischgl-Antworten: „Für dich bin ich nicht durstig genug“ und, bei angebotenem Drink, „gib mir doch lieber gleich das Geld“. • Kennenlernorte heute: Der Niedergang der Hotelbar, der Männerüberschuss in der Disco, Nischenportale bis hin zur Sklavenzentrale, der KI-Skandal bei Ashley Madison, Monteurzimmer als Seitensprung-Dependance und die Tagespflege, wo Dietmars 99-jähriger Onkel noch sehr schöne Bekanntschaften machte. Am Ende steht die Ankündigung einer Sonderfolge, weil der August drei Sonntage im Zweiwochenabstand hat. Und die Erkenntnis, dass man sich das Kennenlernen im Zweifel auch sparen kann.

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  • #12
    August 1 · 1 hr 3 min

    #12 Affenhitze und Sommerpartys

    In der zwölften Sitzung der Pension Alcatraz herrscht Affenhitze, und Tina Voß und Dietmar Wischmeyer feiern über 100.000 Downloads mit der ihnen eigenen Würde: mit veganer Leberwurst, einem Brennnessel-Notfall, einem stillgelegten Jugendgefängnis und der Frage, warum man eine Sommerparty am besten gar nicht erst gibt. Aufgenommen wurde bei brütender Hitze, gehört werden darf es ausdrücklich auch im Winter, damit man noch einmal nachfühlen kann, wie es sich anfühlte. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Über 100.000 Downloads: Der anstoßige Laber-Podcast, so die offizielle Spotify-Kategorie, knackt die 100.000er-Marke, Sonderfolge inklusive. Tina rechnet vor, Dietmar überlegt laut, wie viele es wohl wären, wenn er es allein machen würde. Antwort: keine. • Vegane Leberwurst und das Brennnessel-Gate: Es gibt vegane Leberwurst-Simulation, Kimchi-Butter und selbstgesammelte Brennnesselsamen im Energy-Ball. Dazu Tinas neue Ausbildung zur Kräuterhexe und die Geschichte, wie sie sich zum Test rohe Brennnesseln in den Mund steckte, den Giftnotruf schon eingespeichert, und fünf Stunden Feuer im Gaumen erntete. • Partnergefängnis Salinenmoor: Ein stillgelegtes Jugendgefängnis in der Lüneburger Heide, das heute Real-Life-Gaming beherbergt. Dietmar möchte eigentlich nur wegen der schönen Adresse „Salinenmoor“ dort eingesessen haben, ganz wie beim Hund von Baskerville. • Der Niedersachsen-Slogan, wissenschaftlich geprüft: „Niedersachsen. Das ist groß.“ Dietmar liefert die Begründung frei Haus: Der Penis eines Hannoveraner Hengstes misst 50 bis 60 Zentimeter, der eines Löwen im Wappen der Konkurrenzländer nur 15 bis 20. Die Sache ist damit erwiesen. • Die Rocker von der A27: Im Stau verteilt Tina Riegel und Wasserkefir an eine leicht aufgeregte Kuttentruppe namens „Dahlschlag“ und bekommt als Dank kein Bier, sondern Vitamalz, also alkoholfreies Kinderbier. So viel zum Mythos vom harten Rocker. • Sechs Uhr früh mit Gabi Fastner: Tina turnt jeden Morgen um sechs per Webex mit wildfremden Frauen aus ganz Deutschland zu einer YouTube-Trainerin, vor dem Schweinefüttern. Dietmar hat für dieses Konzept einen eigenen, wenig schmeichelhaften Begriff. • Die Anatomie der Sommerparty: Warum die offizielle Party der niedersächsischen Landesvertretung mit über 2000 Gästen ideal ist, man kann unbemerkt verschwinden, und private Sommerpartys eine Zumutung sind. Es geht ohnehin nur um Verknappung und sozialen Status, weshalb man am besten gar keine gibt. Tinas Sorge ist eine andere: dass Leute kommen, die nicht wieder gehen. • Hitze-Mythen und kackende Störche: Der heiße Tee der Touareg, das angeblich schädliche kalte Bier, Störche, die sich zur Kühlung auf die Beine koten, und Fruchtfliegen, die bei 30 Grad ihre sexuelle Orientierung verlieren. Ob Homosexualität also eine Folge des Klimawandels ist, bleibt vorsichtshalber offen. • Der große Eisenbahn-Exkurs: Auf einen Beschwerdebrief hin, es komme zu wenig Eisenbahn vor, klären die beiden die Sache mit der Schienen-Dehnungsfuge, würdigen einen holländischen Schlager über ebendiese, das zug-imitierende Orange Blossom Special und einen italienischen Gesang über den Franco-Crosti-Speisewasservorwärmer. • Sommerkleidung und die Kunst des Datings: Von den H&M-Herrenunterhosen, die Tina zu Hause als kurze Hose trägt, über Higgins aus Magnum bis zur „Burnt-Haystack-Methode“, bei der man auf Dating-Apps erst alle blockiert, um im abgebrannten Heuhaufen die eine Nadel zu finden. Dauer laut Tina: etwa zwei Jahre. Eine Folge so lang wie ein Hitzetag und mit ähnlich vielen Abschweifungen. Das Fazit steht schon fest: Hitze ist scheiße.

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  • #11
    July 18 · 1 hr 3 min

    #11 Ritterschlag und Preisvergleich

    In der elften Sitzung der Pension Alcatraz geht es um Orden, Preise und Auszeichnungen. Ausgelöst hat das Thema Tina Voß, die frisch aus Norwegen zurückkommt: als Ritter erster Klasse, persönlich unterschrieben von König Harald. Gefeiert wird außerdem im neuen Außenstudio, mit Gefängnis-Kaffee aus Bergen, acht veganen Brotaufstrichen und einem T-Shirt, für dessen Entzifferung Tina rund sechs Wochen gebraucht hat. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Das neue Außenstudio und das rätselhafte T-Shirt: Aufgezeichnet wird erstmals im Management-Büro in Bückeburg, akustisch etwas hallig, dafür fußläufig zur Gastronomie. Dietmar hat die englische Lautumschrift von „Clausthal-Zellerfeld“ ausgetüftelt und herumgezeigt, alle konnten sie in 30 Sekunden lesen, nur Tina brauchte sechs Wochen und kam erst drauf, als sie es sich laut vorlas. • Tina, die Technikbeauftragte: Wie die gläserne Decke zwischen Mikrofon und Frau durchbrochen wurde, warum bei der Abstimmung der Hund nicht mitstimmen durfte und weshalb Tina aus der Zukunft anruft, nur um die Folgennummer trotzdem zu verwechseln. • Acht vegane Brotaufstriche: Tina hat für ihre vegane Kochausbildung einen ganzen Tag lang aufgestrichen, von veganer Leberwurst über Hanf-Sonnenblumenkern bis zur Kimchi-Butter und einem veganen Fleischsalat. Dazu Dietmars neues Lieblingswort: Brädeinwaage. • Partnergefängnis Robben Island: Es gibt Strafe-Kaffee, geröstet von Gefangenen eines norwegischen Resozialisierungsprojekts, und einen Besuch auf Robben Island, wo Nelson Mandela 18 seiner 27 Haftjahre verbrachte. Bei der Führung durch einen ehemaligen Mithäftling brechen am Ende alle in Tränen aus, auch Tina. • Die Talsperren persönlich: Der Mittelwert liegt bei 60 Prozent, sieben unter normal. Tina bucht daraufhin den letzten Stellplatz direkt an der Okertalsperre, um mit Wohnmobil und Hund ein ganzes Wochenende beim Verdunsten zuzusehen, notfalls mit dem Zollstock. • Ritter ohne Pferd: Tinas norwegischer Orden kommt ohne Reitpflicht, ohne Kriegsdienst und ohne Gendering. Dazu die Odyssee vom falschen Flughafen, zehn Stunden Oslo, ein annullierter Anschluss und das wohlige Schadenfreude-Gefühl, in Frankfurt als Einzige schon umgebucht zu sein. • Linda Lovelace und der Taylor-Swift-Witz: Dietmar hat den A400M von innen gesehen und durfte sein Fahrzeug, das Zäpfchen, für ein Foto danebenstellen. Tina fühlt sich davon gedemütigt, weil sie keines ihrer eigenen Fahrzeuge danebenstellen durfte. Außerdem: warum die amerikanische C-5 Galaxy „Linda Lovelace“ heißt, und ein Hochzeitswitz über American Football, den Dietmar zum Brüllen komisch findet, während Tina ihn bis zuletzt nicht versteht. • Das Kleinkunstpreis-Quiz: Dietmar liest erfundene und echte deutsche Kabarettpreise vor, von der Krefelder Krähe bis zur St. Ingberter Pfanne, und Tina muss raten. Es folgt ein ausufernder Exkurs über die norddeutsche Aussprache von V, F und dem harten G, das sich unaufhaltsam nach Norden ausbreitet. • Warum überhaupt Preise? Drei Motive: einen Promi günstig in die Stadt locken, Stadtmarketing (Karlspreis Aachen, samt Karl-der-Große-Groll wegen der Bluttat von Verden) und Produktwerbung (L&M Comedy Award, goldenes Kabel, Bambi). Am Ende bleibt: Anerkennung, und ein schäbiges Radiopreis-Event mit Bus statt Limousine. • Skandale und der Kleinpimmelpreis: Von Clemens Meyer über Reich-Ranicki bis Bob Dylan und Rainald Goetz mit der Rasierklinge. Welche Trophäen Dietmar auf keinen Fall will (der „Kleinpimmelpreis“ und der „Goldene Zaunapfel“), und warum „Lebenswerk“ das steuerliche Zauberwort ist. Eine Folge über Orden ohne Pferd, Kaffee aus dem Knast und die Erkenntnis, dass der schönste Preis immer noch der ist, den außer einem selbst niemand bekommt.

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  • #10
    July 4 · 59 min

    #10 Ich Tarzan, du Jane

    In der zehnten Sitzung der Pension Alcatraz wagen Tina Voß und Dietmar Wischmeyer das vielleicht heikelste aller Themen: was ist eigentlich besser, Mann oder Frau? Wohlgemerkt nicht der bessere Mensch, das wäre ja schon Moral. Sondern einfach das Geschlecht als Konstruktion, mit allen anatomischen, evolutionären und gesellschaftlichen Vorzügen. Antworten, Belege, Studien fragwürdiger Herkunft und ein Gedicht vom Hörer Olaf. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Olafs Gedicht und der Hanomag nach Island: Hörer Olaf schickt ein Goethe-Pastiche zur Versöhnung mit der Pension, Dietmar trägt es mit gebührender Gravitas vor. Außerdem geklärt: Island heißt nicht „auf“, sondern „in“ Island, weil oben kaum jemand wohnt. • Kobi-Pilz und Apfelmark-Beton: Heute gibt es Kombucha, den Tina fast umgebracht hätte, weil sie bei der Fermentation den Zucker vergaß, und einen veganen Zitronenkuchen mit Dietmars Apfelmark, der so wenig Luftlöcher hat, dass er an der Decke kleben bleibt. • Albright-Studie und die 13 Prozent: In den 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen sitzen 462 Männer und 60 Frauen in den Geschäftsführungen. Das ist weniger Frauenanteil als in jeder Imbissbude. Tina hat zur Frauenquote damals den Kriminologen Pfeiffer angerufen, statt eine eigene Meinung zu haben. Dietmars Position: er fährt auf der Right Lane, ob er Geisterfahrer ist oder nicht. • Eva aus der Rippe und der Hirsch im Brunftrudel: Warum gibt es überhaupt Mann und Frau? Dietmar erklärt Polygamie als evolutionäre Strategie zur Genvervielfältigung, Tina kontert mit selbstbefruchtenden Schildkröten und Schnecken. • Vorteile, eine Frau zu sein: Eco-Gender-Gap, Mülltrennungs-Nazi, der „Women are wonderful“-Effekt. Tina verkauft Hula-Hoop-Reifen bei eBay für 4 statt 18 Euro an ein 14-jähriges Mädchen. Männer schätzen sich nur effektiver ein, Frauen sind es tatsächlich. • Frauen sind Giraffen: Dietmar versteht Frauen so, wie ein Zoologe Giraffen versteht, also durchaus, aber innerhalb klarer Spezies-Grenzen. Geklärt wird außerdem das Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz und warum Frauen nicht aus Flaschen trinken können (sie wissen nicht, dass gleichzeitig Luft rein muss). • Big-Brother-Vogelhaus und Männergesangverein: Das traumatische Ende der Live-Übertragung aus dem Nistkasten, und warum sich Männer geschlechtsspezifisch nicht solidarisieren, was Dietmar einen der ganz großen Vorteile des Männerseins findet. • Trinkerbell und Schutzfolie: Vier Mütter mittleren Alters fahren als Malle-Ultras zum Ballermann, mit Adiletten („Hokus Pokus Malle-Modus“), Bauchtaschen am Karabiner und einer Schutzfolie übers Glas. Tina sagt, sie habe geheiratet, sich der modernen Anbahnungs-Diskussion zu entziehen. • Childrens Immogap und Wachtel-Studie: 2025 wurden so wenig Kinder geboren wie nie seit 1946. Tina hatte Angst vor den eigenen Genen, Dietmar vor dem Elternrat. Außerdem: japanische Wachteln, die kleine Eier legen, leben länger. • Männerjahre und die Brillenschlange: Ein Männerjahr sind angeblich 1,5 Frauenjahre. Tinas Altersformel: dividiert durch zwei plus sieben. Dazu die kleine Etymologie von „Frau am Steuer, Ungeheuer“ und der Brillenschlange. • Vorbilder im anderen Geschlecht: Wäre er eine Frau, hätte Dietmar Golda Meir, Margaret Thatcher oder Madeleine Albright als Vorbild. Tina als Mann: Chuck Norris (wegen der Witze), Barack Obama (diese Lusche), Bono, Chris Martin, Dalai Lama und Keanu Reeves. Dietmar verheddert sich anschließend in der eigenen Musikgeschichte. • Vorsprung durch Anatomie und Abschluss: Dietmar erklärt, warum die männliche Bauweise in der Praxis ihre Vorzüge hat, und gibt zu, in Geselligkeit lieber mit Männern, beruflich aber häufiger mit Frauen unterwegs gewesen zu sein. Den letzten Satz spricht er sich zur eigenen Sicherheit ins Stammbuch. Eine Folge zwischen Anatomie, Albright-Stiftung und Adiletten. Am Ende sind wir alle Giraffen.

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  • #9
    June 20 · 54 min

    #9 Fahren, Fliegen, Eierkuchen

    In der neunten Sitzung der Pension Alcatraz schreiben Tina Voß und Dietmar Wischmeyer ihre persönliche Mobilitätsgeschichte, von Tinas schwarz-weiß lackiertem Golf über Dietmars vierundvierzig Motorräder bis zum kevlarummantelten Einsitzer, den Tina beharrlich „Zäpfchen“ nennt. Dazwischen: ein Hund, der auf das Wort Clausthal-Zellerfeld hört, ein Schmodderkuchen mit Möwenschiss und die feste Überzeugung, dass eine Immobilie schon deshalb ein Versager ist, weil sie sich übers Nichtwegkönnen definiert. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Warum die Immobilie ein Versager ist: Der Titel entsteht aus „Friede, Freude, Eierkuchen“, und Dietmar lehnt grundsätzlich alles ab, was sich ex negativo definiert. Eine Immobilie sagt nur, dass sie nicht weg kann, weshalb er aus demselben Grund auch kein Atheist ist. Der Hund kommentiert das Wort Clausthal-Zellerfeld zuverlässig. • Das erste Auto: Tinas Golf 1, von ihr selbst schwarz-weiß lackiert, mit reichlich Unterbodenpaste über den Schäden. Dietmars Fiat 1200 mit sagenhaften 80 PS, gekauft zur Bundeswehr-„Einladung“, weil man als Wehrpflichtiger nur eine Freifahrt im Monat bekam. • Partnergefängnis Wormwood Scrubs: Dietmar trampte in den frühen Zwanzigern nach London, den Ärmelkanal als Hindernis schlicht verdrängt, und zeltete auf einem halblegalen Platz direkt vor dem Gefängnis, bewacht von Freiwilligen. Dazu die mütterliche Erkenntnis, man habe in England „längst nicht so viel kaputtgeschmissen“. • Der Mobilitäts-Messi: Über vierzig Fahrräder, vier Motorräder von einst vierundvierzig, drei Traktoren, sieben zugelassene Autos und ein einzelner Hanomag-LKW, der nur deshalb bleibt, weil der Markt zu wenig hergibt. Die E-Auto-Verweigerung verkauft Dietmar als aktiven Umweltschutz, weil er alte Diesel dem Markt entzieht. • Das Zäpfchen: Tinas Name für Dietmars Ecomobil-Monotracer, einen kevlarummantelten Einsitzer, der sich wie ein Motorrad fährt und bei dem man bei jedem Halt die Stützräder ausklappen muss. Inklusive Spritgeruch, einem „Bull Riding“-Sturz wegen gebrochenem Lenkungsdämpfer und 85.000 Euro Neupreis. • Motorrad, Pferd und die Sinnlosigkeit: Warum Motorradfahren nichts mit Praxis und alles mit Pommesbuden zu tun hat, warum ein Pferd keinen Notausknopf besitzt und warum Tina nach einer halben Stunde im Sattel drei Tage Muskelkater von unbekannten Muskeln hatte. Runner's High hat sie übrigens nie gespürt, nur Erleichterung am Ende. • Der Auslieferungsfahrer-Traum: Beide fahren am liebsten Auto, Tina ihren Mustang und ihr Wohnmobil, in dem sie sich wie eine Paketbotin fühlt. Dietmar entwickelt daraus die Vision eines Sprinters voller Paket-Dummies als Demenz-Therapie. • Schrei vor Vergnügen: Tinas große Mobilitäts-Sternstunden, oben aus dem Leopard herausgucken und ein neuer Müllwagen ohne Spiegel im Hütchen-Slalom, gefolgt von kollektiver Liebe zu allen Beteiligten. Dietmar wiederum sprang in London nur zum Spaß vom fahrenden Bus. • Gesammelte Flüge: Dietmars neues Sammelgebiet sind nicht Objekte, sondern Flugerfahrungen, von Hubschraubern über Transall und Tupolew bis zum A400M, in dem beide bislang nur gesessen haben. • Der Hass auf Fahrstühle: Zum Schluss die schlimmsten Fortbewegungsmittel überhaupt, Reisebus, Fahrstuhl und vor allem das autonome Fahren. Dazu das implodierte Titanic-Tauchboot, eine Farbpalette für neue E-Autos nach Infektionskrankheiten (Lepra-Braun, Syphilis-Grün) und ein Audi A2, dessen Diebstahlwarnanlage Dietmar zu „Auto gewordener Intelligenz“ erklärt. Eine Folge über alles, was rollt, fliegt und schwimmt, außer die Immobilie, die ja bekanntlich bleibt, wo sie ist.

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  • #8
    June 7 · 50 min

    #8 Erwachsenwerden

    In der achten Sitzung der Pension Alcatraz nehmen sich Tina Voß und Dietmar Wischmeyer zum mittlerweile dritten Mal das Erwachsenwerden vor und stellen am Ende fest: stattgefunden hat es bei beiden noch nicht. Stattdessen geht es um Schützenfest-Pinkeltechnik, Brust-Skulpturen im Vorgarten, einen Hahn namens Fridolin, Campinos Gemeinschaftsgrab und die Frage, welche Dosensuppe man kalt essen darf. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Partnergefängnis Alcatraz: Die neue Rubrik, die Dietmar partout keine Rubrik nennen will, startet standesgemäß mit dem Namensgeber. Tina war als Besucherin dort und kaufte danach ihr Haus, Dietmar hat auf einer Gefängnisinsel geheiratet. Erkenntnis: Vom Knast aus guckt man ohnehin nur auf die Wand, die Insel ist egal. • Servicebereich Immobilien: Von der größten Flussinsel Europas (Harriersand in der Weser, mit Blick auf den Schüttguthafen) über das Wellnesshotel mit Betonwerk gegenüber bis zur Marienburg, von der man auf das Zementwerk Pattensen schaut. Die Lehre: lieber das Zementwerk haben als drauf gucken. • Die Tittomanie im Vorgarten: Die Vorbesitzer haben überall Brust-Skulpturen verteilt, manche mit Gerippe-Kopf, eine auf einem großen Fuß. Dietmar hätte sie längst in den Betonschredder geworfen. Tina hat nach sechs Jahren noch eine von einer Hand umklammerte Steinschlange im Efeu entdeckt. • Fridolin schlägt 4:08 Uhr: Tina übernachtet bei einer Gartenparty in Brandenburg im Wohnmobil, vier Meter neben dem Hühnergehege. Der Hahn kräht im freien Rhythmus, Tina wünscht ihm im Halbschlaf den Hals und gerät danach in Manifestations-Panik, als ein totes Huhn aus dem Gehege getragen wird. • Junggesellenabschied und Hosenvergrabung: Warum man mit über 50 noch heiratet, wenn die Silberhochzeit statistisch außer Reichweite liegt. Dazu die Hose-Vergraben-Zeremonie als sublimierte Form der Vorhaut-Vergrabung und ein Exkurs über den kleinen Zeh, der eigentlich nur im Strumpf hängen bleibt. • Campinos Gemeinschaftsgrab: Der Tote-Hosen-Sänger kaufte 2001 siebzehn Plätze auf dem Düsseldorfer Südfriedhof, drei sind belegt. Es schließen sich heikle Fragen an: Verwirkt man seinen Platz durch Scheidung, und darf man Gräber eigentlich bei Airbnb untervermieten? • Sargbretter im Vorgarten: Dietmar will sich vom Bekannten mit der Horizontal-Gattersäge die eigenen Sargbretter sägen und ein paar Jahre trocknen lassen, ganz wie sein Opa. Tina warnt vor feuchtem Holz und dem sich verziehenden Sarg. Nebenbei: Gatter, Gittelde und warum der Ort eigentlich „Muschitaun“ heißt. • Die Sandwich-Jahre: Die Phase zwischen 30 und 40, eingeklemmt zwischen pubertierenden Kindern und alternden Eltern, dazu Karriere und unbezahlbares Eigenheim. Und der Psycho-Bubble, der jetzt auch hierzulande verlangt, dass das innere Kind Heimat findet. • Wann hört die Jugend auf? Dietmars Kindheit endete mit zwölf, seine Jugend mit 41, definiert über die Abwesenheit jeder Altersvorsorge. Tina dachte schon als Teenager an die Zukunft, allerdings nur bis zum nächsten Disko-Donnerstag. Dazu ihr geiziger Berufssoldaten-Freund, der seine Buletten zählte. • Das Dosensuppen-Seminar: Kalte Ravioli, die Bihun-Suppe, der Schnippelbohnen-Eintopf von Sonnen-Bassermann und der Arktisforscher, den bleiverlötete Dosen ins Grab brachten. Erwachsensein heißt am Ende: selbst entscheiden, wann und was es zu essen gibt, und sei es Spaghetti mit Ketchup auf offenem Feuer. Das Fazit nach knapp einer Stunde: Erwachsensein hat bei beiden noch nicht angefangen. Sollte es das je tun, gibt es einen dritten Podcast.

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  • #7
    May 30 · 1 hr 7 min

    #7 Comeback oder bleib weg - Bonus

    Eine Sonderfolge, weil der Mai uns mit fünf Sonntagen beschert hat und Tina Voß und Dietmar Wischmeyer einfach zu viel Spaß haben, um eine Lücke zu lassen. Den Titel hat Tina in drei Sekunden erfunden und sich vorsichtshalber gleich die Rechte gesichert, Dietmar vermutet hingegen eine Teufelseingebung. Das eigentliche Programm: sechs Comedy-Stücke aus Dietmars Frühstyxradio-Zeit, rund 30 Jahre alt, auf den Prüfstand gestellt. Comeback oder bleib weg? Die Themen dieser Episode im Überblick: Sonderfolge und Exorzismus: Tina erfindet den Episodentitel in Rekordzeit. Dietmar verweist auf den laufenden Exorzismus-Kongress in Rom mit 260 Teilnehmern, darunter ehemals Besessene, die sich jetzt als Testimonials zur Verfügung stellen. Rhabarber-Muffin und Hibiskus-Bremsenreiniger: Weil nachmittags aufgezeichnet wird, gibt es einen Muffin in „Rentner-Dackel-Dünnschissfarbe" und einen Hibiskus-Kombucha, der schmeckt wie Felgenreiniger. Dazu der übliche Talsperren-Lagebericht: 64 statt 72 Prozent, wir sind alle verloren. Harz statt Hörer Ulf: Die Talsperren werden jetzt persönlich inspiziert. Tina landet mit dem Wohnmobil versehentlich auf dem Radrundweg um die Granetalsperre und wird von Mountainbikern vertrieben. Außerdem: Clausthal-Zellerfeld als männerreichste Stadt laut einer Wochenschau der 50er. Die neu entdeckte Schadenfreude: Tina sitzt frühmorgens mit Kaffee im Wohnmobil und genießt es, wie spätere Bikepark-Besucher vergeblich nach Parkplätzen kreisen. Dietmar empfiehlt den Ausbau zum Gehässigkeits-Tourismus, etwa von der Autobahnbrücke aus. Clausthal-Zellerfeld geht viral: Das Running-Gag-Wort trägt Früchte, inklusive eines KI-Bilds von Rock Hudson mit Schild und dreier frischer Lehnwörter in der indonesischen Bahasa. Dazu die Geosammlung der TU Clausthal mit 100.000 Steinen und ein Exkurs über Kupfer im Harz gegen die Atacama. Flachwitz-Schule: Vom fleischlosen Kind („ersetzen mit einem Hund") über die Verfügbarkeit von Handwerkern in Pornos bis zu Ramses in Hieroglyphen und den Kanarienvögeln, die es auf den Kanaren gar nicht gibt. Die Fahrgemeinschaft: Erstes Archivstück. Fleischsalat ohne Fleisch, der autoklauende Jaroslaw und ein schwuler Intellektueller, gesprochen von Oli Welke. Verdikt: heute heikel, damals geliebt. Plattengülle Döner und Cucina di Diabolo: Multikulti-Comedy in Reinform, gesprochen von Martin Jürgensmann. „Türklinke ist eine Erfindung von Türkei" und ein italienisches Muttertagsmenü aus Tapetenresten mit Kleister. Hier entstanden auch „Tisch 5" und der „Runzelarsch". SUV und Heldengedenktag: Ein Generationskonflikt um ein geliehenes Zelt, der in Versicherungsbetrug mündet, und eine Wiedervereinigungs-Tirade nach dem Vorbild von Alfred Tetzlaff. Erschütternd aktuell, bis auf das Wort SUV. Die Ü70-Party aus Plattengülle: Das Finale. Eine ZDF-Hitparaden-Parodie mit Pflegestufe-3-Schlagern, Chris-de-Burgh-Verballhornungen und Roger Whittakers „Indian Lady". Dazu Dietmars erster Bundeswehr-Einsatz bei Radio Andernach, mit sechs Stunden Bahnverspätung und einem frierenden Gefreiten am Bahnsteig. Das Fazit nach 30 Jahren: zwei Drittel hält man noch gut aus, ein Drittel gibt man besser nicht öffentlich zu. Eine Wiederholung folgt beim nächsten Monat mit fünf Sonntagen.

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  • #6
    May 16 · 52 min

    #6 Welt der Erwachsenen

    In der sechsten Sitzung der Pension Alcatraz beginnt die Welt der Erwachsenen mit einer ausgewachsenen Luftschutzsirene aus dem Zweiten Weltkrieg, die Dietmar Wischmeyer beim Aufräumen wiedergefunden hat. Tina Voß hatte sich auf eine Wurst gefreut. Was folgt, ist im Wesentlichen alles außer dem angekündigten Thema, das wir am Ende selbst kaum noch finden. Die Themen dieser Episode im Überblick: Luftschutzsirene zur Begrüßung: Dietmars Opa war Bürgermeister und Luftschutzbeauftragter in einem strom-abstinent religiösen Dorf, das nie bombardiert wurde. Zwei Hand-Sirenen sind übrig, eine kreischt jetzt im Studio. Die echte Welt der Erwachsenen: Vor der Moskauer Lubjanka, dem KGB-Foltergefängnis, gab es einen Spielzeugladen namens „Welt der Kinder". Spitzname des Gegenübers: Welt der Erwachsenen. So zynisch witzig wird man nur unter einer ordentlichen Diktatur. Tinas Gartenhaus aus Soja: Versehentlich kiloweise Soja-Chunks bestellt, daraus heute veganes Chicken Massala mit Hirse statt Reis (wegen Arsen). Außerdem: was ein Tapir mit Enddarmfermentierern zu tun hat und warum Sauerkraut dem Kimchi überlegen ist. Koreanisches Fisch-Frühstück in Duisburg: Tinas junge Affäre, eine ganze Flasche Martini und ein Mitbewohner, der morgens schon getrocknete Fische verzehrte. Seitdem keinen Martini mehr, und die feste Überzeugung, dass das Frühstück die konservativste Speise der Menschheit ist. Buchführung: Ein anzüglich getaggter Mitbewerber-Podcast hat alle Sexwörter durch „Buchführung" ersetzt. Wir suchen jetzt ein eigenes Ersatzwort. Klaus-Dag-Zellerfeld scheidet aus. Das große Pit-Latrine-Disaster: Dank eines aufmerksamen Hörers wissen wir jetzt: Dietmars Sturz in die Latrine als Schützenfest-Teenager war kein Einzelfall. Im australischen Outback fallen Frauen monatlich rein, in Südafrika sind 4500 Schulen betroffen, fünfjährige Studenten sind besonders gefährdet. Zwei Reisen nach Moskau: Dietmar landet Anfang der 90er versehentlich auf einer Karnevalsfeier ehemaliger Stasi-Leute, mit Heino-Liedern und Polonaise. Tina fliegt Jahre später Hannover 96 in der Europa League nach, betrinkt sich im Hotel Bukarest und navigiert per Mustererkennung der kyrillischen Buchstaben zurück. Die Osnabrücker Russland-Verschwörung: Freibad Moskau wird 100, im Stadtteil Sebastopol wohnt vermutlich Boris Pistorius. Die Indizien werden dichter. Tim, unser Hörer und Urologe: erklärt uns endlich, dass Tripper von „Tropfen" kommt, und Dietmar erfährt vom Au-Revoir-Tropfen, der mit fortschreitendem Prostata-Alter morgens an die Türchen klopft. 5.000 Euro Bußgeld kostet das Urinieren in die Gegend in Hannover. Diadochenkampf im Hunderudel: Der zweijährige Rhodesian Ridgeback will Kalif anstelle des neunjährigen Kalifen werden. Wir lernen: in menschlichen Gesellschaften kennt man so etwas nicht mehr, da fahren 30-Jährige noch mit den Eltern in den Urlaub. Mama geht tanzen: Tina war in der Backwarn-Disco Hannover bei einer reinen Damen-Tanzveranstaltung mit Hip-Hop. Dietmars Bruder hat eine ähnliche Veranstaltung kaum überlebt und musste vermutlich psychiatrisch behandelt werden. Was wir bereuen: Dietmar das nicht erlernte Musikinstrument, Tina das selbst lackierte Auto und Schuhe in der falschen Größe. Außerdem: Liebeserklärungen an die Farbe Grau. Eine Episode, in der wir das eigentliche Thema mit der gewohnten Eleganz verfehlen. Die Welt der Erwachsenen kommt das nächste Mal vielleicht dran. Vielleicht aber auch nicht.

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  • #5
    May 2 · 1 hr 7 min

    #5 Und immer wieder aufstehen

    In der fünften Sitzung der Pension Alcatraz blicken Tina Voß und Dietmar Wischmeyer 12.000 Jahre zurück, um endlich zu klären, wer eigentlich Schuld an dieser ganzen Misere namens Arbeit hat. Spoiler: das Neolithikum war's. Seitdem geht es bergab, über die Heroisierung der Maloche im 19. Jahrhundert bis hin zum Mähroboter, der heutzutage eigenmächtig Pause macht, weil er vermutlich bei Verdi organisiert ist. Die Themen dieser Episode im Überblick: Pflanzenbasierte Verwesung: Tina kocht Süßkartoffel-Chili und Seidentofu-Bällchen, Dietmar erinnert sich an Steckrüben mit Schweineersatzteilen und das brüderliche Geprügel um den letzten Knorpel. Vegan gelesen, migrantisch gelesen: Ein kleiner Sprach-Exkurs darüber, warum man heute alles nur noch sein darf, wenn jemand anders es liest. Dietmar möchte fortan als „alt und weiß gelesener Mann" adressiert werden. Preußen gegen Hannover, ungeklärt seit 1866: Tinas Vorfahren hatten keine Zeit für lange Namen. Dietmars Opa, Mitglied der Deutschen Hannoverschen Partei, hat den Sieg Preußens bis zuletzt nicht akzeptiert. Die Erfindung des Elends: Mit dem Ackerbau kamen Eigentum, Zaun, Krieg und Frauenraub. Schaf und Ziege sind als Nutzungstier sympathisch, das Schwein war im Orient nicht wegen Trichinen tabu, sondern als Nahrungskonkurrent. Glück auf, der Steiger kommt: Industrielle Revolution, Verheldung der Maloche, Tarifverhandlungen ums Wachbleiben und ein leicht entgleister Ausflug ins Bordell. Grundbuchamt Osterode: Wo Tina als 16-Jährige Obduktionsprotokolle entdeckte und ihre Liebe zu Serienkillergeschichten ausbrach. Bedingungsloses Grundeinkommen: 67 Prozent der Leute, die behaupten, sie arbeiten gerne, würden bei freier Wahl sofort aufhören. Götz Werner hatte da eine Idee, Dietmar ist skeptisch. Künstler und ihre „Arbeiten": Niki de Saint Phalle geht unprofessionell mit Materialien um, Picasso wenigstens nicht. Und im Hannoverschen Dezernat für Gedöns werden gescheiterte Grünen-Politikerinnen bis zur Pension durchgefüttert. Care-Arbeit, Beziehungsarbeit, Wirtschaftseinheit Ehe: Eine kleine Ökonomie der häuslichen Verhältnisse, inklusive Hündinnen, die emotional zugewandter sind als ihre männlichen Pendants. Mähroboter bei Verdi: Dietmars Modell streikt tageweise, Tinas Gerät hat einen ausgeprägten Todestrieb und müsste eigentlich regelmäßig bei der Selbstmord-Hotline angemeldet werden. Ein Episodenbogen vom Steinzeitacker bis zum streikenden Rasenroboter, bedächtig, gesetzt, in jeder Hinsicht weise gelesen.

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  • #4
    April 18 · 53 min

    #4 Bärlauch und Bückware – unsere besten Jahre

    In der vierten Sitzung der Pension Alcatraz wird es botanisch, linguistisch und unfreiwillig intim. Tina Voß und Dietmar Wischmeyer arbeiten sich an den Gewächsen des Alltags ab – sowohl im heimischen Garten als auch in der eigenen Biografie. Wir blicken zurück auf die „besten Jahre“ und stellen fest: Vieles davon war eigentlich nur Bückware. Die Themen dieser Episode im Überblick: • Sprachliche Feinsinnigkeit: Ist es „dasselbe“ oder „das Gleiche“? Ein Literaturwissenschaftler und eine Praktikerin am Rande des Wahnsinns klären auf, warum Präzision wichtig ist (oder auch nicht). • Die Bärlauch-Invasion: Über 50 Hektar „Bärlauchorgie“ und die Frage, ob man Unkraut essen oder doch lieber chemisch behandeln sollte. • Bückware & Schmuddelecken: Ein Rückblick auf Kondome beim Friseur und die architektonische Besonderheit von Videotheken in den 80ern. • Kulinarische Sättigung: Der Kichererbsen-Kuchen mit dem Sättigungsfaktor 1000 – warum dieses Gebäck eigentlich unter das Waffengesetz fallen müsste. • Die große Pinkelpause: Ein historischer Moment im Podcast-Wesen – Dietmar verlässt fluchtartig das Mikrofon und lässt Tina am Tisch zurück. • Tinas Geständnisse: Während Dietmar weg ist, erfahren wir die Wahrheit über Tinas abgebrochene Karriere als Kfz-Schlosserin, missglückte Versuche der Autolackierung und die Reue über die Haltbarkeit vergangener Beziehungen. Ein kulinarisch-biografischer Ritt durch die Pension – unbarmherzig und wie immer ohne Ausweg.

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  • #3
    April 4 · 42 min

    #3 Ich und du, Hose zu

    In der dritten Sitzung knöpfen wir uns ein Thema vor, das eine ganze Generation gezeichnet hat: Die Sexualkunde der 70er und 80er Jahre. Tina Voß und Dietmar Wischmeyer blicken zurück in eine Ära, in der der Biologieunterricht irgendwo zwischen unfreiwilliger Komik und pädagogischer Abschreckung stattfand. Die Themen dieser Episode: Pädagogisches Hartholz: Warum die Demonstration von Verhütungsmitteln an hölzernen Anschauungsobjekten eher für Verwirrung sorgte, als Licht ins Dunkel zu bringen. Die Biologie der Angst: Über eine Zeit, in der Aufklärung primär daraus bestand, vor düsteren Krankheiten und den sozialen Katastrophen einer zu frühen Elternschaft zu warnen. Außerschulische Tutorials: Warum die wahren Lektionen des Lebens oft auf Jugendfreizeiten stattfanden, während die Schule noch über den Aufbau von Blütenpollen dozierte. Mythen und Alleingänge: Ein kritischer Rückblick auf die Einsamkeit des Einzelnen und die seltsamen Legenden, mit denen man uns damals in der Pubertät sich selbst überlassen hat. Theorie vs. Praxis: Warum der Start ins Liebesleben trotz aller Biologiestunden meistens ein Sprung ins kalte Wasser blieb.

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  • #2
    April 4 · 43 min

    #2 Untenrum aufgeklärt

    In der zweiten Sitzung wird es intim, geschichtlich und gewohnt ungemütlich. Tina Voß und Dietmar Wischmeyer verlassen die Oberflächenhöflichkeit und stürzen sich in den „Gesellschaftsverkehr“. Wir klären, warum man sich heute schon „gesehen fühlt“, wenn man nicht völlig misshandelt wird, und warum die woke Vokabelkiste manchmal doch ganz nützlich ist, um Störgefühle zu sortieren. Die Themen dieser Episode: Der feministische Anfall: Warum Dietmar plötzlich Empathie simuliert und was das mit modernem Gesellschaftsverkehr zu tun hat. Vom Raub zur Steuererklärung: Eine kurze Kulturgeschichte der Ehe. Wir blicken zurück in die Steinzeit und landen in der Gegenwart, in der die Ehe oft nur noch der Hort der Sexualität zwecks geregelter Erbfolge ist. Woke Welt & Störgefühle: Warum wir uns heute gegenseitig „spiegeln“ und was passiert, wenn die Sprache vor lauter Achtsamkeit die Bodenhaftung verliert. Die sexuelle Einfriedung: Über die historische Notwendigkeit, Sexualität einzuzäunen, damit der Erblasser auch sicher sein konnte, für den eigenen Nachwuchs zu schuften. Besitzübertragung: Tina Voß über den schmalen Grat zwischen feministischem Aufbruch und der Erkenntnis, dass manche Dinge früher einfach nur Besitzverhältnisse waren.

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  • #1
    April 4 · 51 min

    #1 Versprechen brechen

    Sieben Jahre lang haben wir im „Stundenhotel“ den ganz normalen Wahnsinn seziert und die Weltlage kleingehäckselt, dann haben wir feierlich versprochen: Schluss, Aus, Ende. Aber was kümmert uns unser Geschwätz von gestern? Tina Voß und Dietmar Wischmeyer ziehen um in die Pension Alcatraz. Neuer Name, gewohnt unbarmherzige Ansichten – wir haben uns quasi neu verheiratet, nur ohne die zittrigen Hände eines Standesbeamten. In der ersten Sitzung unserer neuen Sicherheitsverwahrung arbeiten wir uns an folgenden Abgründen ab: Namensfindung des Grauens: Warum wir beinahe als „Isegrim und das Beistellpony“ oder „Mummpitz und Pisacken“ geendet wären. Kulinarische Kapitulation: Dietmar Wischmeyer seziert die „Steckrübe Asiens“ (Tofu) und erklärt, warum ein Borlotti-Bohnen-Ratatouille für ihn eher nach mediterranem Gestrüpp schmeckt. Das Hochzeits-Trauma: Tina Voß berichtet exklusiv, warum ihr beim eigenen Ja-Wort ein herzliches „Ach du Scheiße“ entglitt und warum der Standesbeamte dabei sichtlich zittrig wurde. Die Blink-Verweigerer: Warum Landwirte grundsätzlich nicht blinken („Wissen doch eh alle, wo ich wohne!“) und warum das Auto-Bashing im öffentlichen Raum eine neue Stufe der Eskalation erreicht hat. Das bittere Ende: Ein Ausflug in die Welt der Pharmakologie (Apomorphin), der schmale Grat zwischen Erbrechen und Erotik und warum am Ende doch alles gut wird – außer dem Versprechen, das nie funktioniert.

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