
Folge 155 / Als aus Schlagzeilen Schüsse wurden - Henriette Caillaux
Paris, März 1914. Henriette Caillaux betritt die Redaktion der Zeitung Le Figaro. Sie bittet darum, den Chefredakteur Gaston Calmette zu sprechen. Sie wartet. Als Calmette schließlich vor ihr steht, zieht Henriette eine Pistole aus ihrem Muff. Wenige Augenblicke später fallen mehrere Schüsse. Doch was brachte die Ehefrau eines der mächtigsten Politiker Frankreichs dazu, bewaffnet in eine Zeitungsredaktion zu gehen? Seit Wochen führt Le Figaro eine erbitterte Kampagne gegen ihren Ehemann Joseph Caillaux. Private Briefe werden veröffentlicht, weitere Enthüllungen scheinen bevorzustehen – und Henriette fürchtet, dass auch ihre eigene Vergangenheit öffentlich gemacht werden könnte. Der Fall wird zu einem der größten gesellschaftlichen Skandale der französischen Belle Époque. Politik, Presse, Liebe, Eifersucht und die Frage nach weiblichen Emotionen vermischen sich zu einem Prozess, über den ganz Frankreich spricht. Und am Ende steht ein Urteil, das heute kaum weniger bemerkenswert erscheint als die Tat selbst.